Das Gasthaus zur Dankbarkeit ist seit Jahren ein kulinarischer Fixpunkt am Neusiedler See. Wir besuchten das Traditionshaus an einem Sommersonntag und freuten uns auf ein Mittagessen im idyllischen und schattigen Gastgarten. Wir wählten zu Beginn das Kalbsrahmbeuscherl mit Serviettenknödel und die Räucherfischterrine mit Paradeis-Carpaccio – beides war fein und wusste zu gefallen. Als Zwischengang bestellten wir Rigatoni mit Eierschwammerlrahmsauce – hervorragend, frische Schwammerln und die Rigatoni perfekt al dente. Die so oft gelobte Fischsuppe mit Paprika schwächelte allerdings, die Fischstücke waren etwas trocken und mit zu viel Paprika gewürzt, um uns wirklich zu begeistern. Leider waren auch die gebackenen Schweinsfledermaus-Schnitzel trocken und eigneten sich fast als Sportgerät (Frisbee). Der gebratene Zander mit Vanillesauce und Zucchini-Melonen-Risotto wiederum schmeckte so eigenwillig, wie die Kombination klang. Noch etwas hungrig freuten wir uns nun auf die Nachspeisen. Dass wir Somlauer Nockerln bestellten, war wahrscheinlich unser Fehler. Vom Schlagobers überdeckt und sonst? Und auch die Nuss-Nougat-Knödel waren maximal durchschnittlich. Vielleicht ein schlechter Tag, wir geben der Dankbarkeit aber sicherlich wieder eine Chance.
Zur Dankbarkeit Josef Lentsch
Was hat uns dieses Seewinkler Wirtshaus-Juwel schon schöne Stunden beschert! Josef Roiss, langjähriger Küchenchef, weiß ganz genau, wie er mit den erstklassigen Produkten aus unmittelbarer Umgebung umzugehen hat. Paradeiser, Weidegänse, Steppenrinder, Neusiedlersee-Zander, Mangalitza-Schweine, Podersdorfer Spargel – alles von führenden Produzenten des Landes – und alles zu erzvernünftigen Preisen. Diesmal hatten wir große Lust auf große Dankbarkeit-Klassik: Der jiddische Hühnerleberaufstrich ist eine kleine Geschmackssensation, die ihresgleichen sucht, und findet: in der Fischsuppe mit Paprika. So harmonisch, so fein, so leichtfüßig gelingt dieser Klassiker pannonischer Esskultur nur an ganz speziellen Orten. Zwischendurch, weil einfach zu verlockend, schoben wir erstklassige, kleine Lammbratwürste auf wunderbar säurebetontem Paprikakraut ein. Eine gute Entscheidung. Etwas zu derb empfanden wir dann allerdings das Gesottene vom Steppenrind mit Semmelkren. Trocken, ein wenig zäh. Andererseits: An so einem ursprünglichen Riesen-Vieh kann einfach nicht jeder Quadratzentimeter zart sein. Vergeben und vergessen. Dass die von Josef Lentsch höchstselbst vinifizierten, hauseigenen Weine gute Freunde der oben erwähnten Gerichte darstellen, darf ruhig als weiterer Bonus gelten.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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