Die Spielregeln für Gaumenfreuden: Man wähle frei aus den Bestandteilen der zwei oder drei Menüs und Tagestipps und lasse sich dazu die passenden Weine empfehlen. Schwierigkeit: null. Spaßfaktor: hoch. Der Spielverlauf: ein kleines, feines Süppchen mit Thunfischtatar als erfreulicher Gruß aus der Küche, zur Vorspeise zitronig-zartes Oktopuscarpaccio mit Rucola oder eine sehr gute Schafkäseterrine mit Ofenpaprika. Danach: gebratene Lammleber (leider etwas zu durch) mit Bärlauchpüree – sehr grün, sehr gut. Die Variation vom Kitz mit Gnocchi war hinreißend, die Hochrippe mit Bärlauchkruste hätte ruhig noch etwas englischer sein können. Die Nachspeisen überzeugten weniger: Die Mousse von der weißen Schokolade schmeckte unangenehm buttrig, die Crème caramel war viel zu stichfest, schade. Zu beachten ist, dass hier im Nichtraucherbereich ab 22.30 Uhr geraucht werden darf – angeblich auf Wunsch der Stammgäste –, und das bei vorhandenem Raucherraum. Angesichts der feinen Küche und der hier gepflegten Wein(glas)kultur ein völlig unverständliches Ärgernis.
Gaumenspiel Martina Kraler/Rodschel Rachnaev
Dank guter Buchungslage und enger Bestuhlung herrscht im Gaumenspiel zwar traditionell keine rasend intime Atmosphäre, trotzdem wird das Großstadtbewohnergeschnatter immer wieder von heftigem Schweigen übertönt. Wenn einem Gast nämlich die Kinnlade herunterklappt vor Begeisterung. Die ist auch durchaus nachvollziehbar, die drei Menüs zeugen von einem vifen Umgang mit Einflüssen, die vom Seewinkel bis Tribeca reichen und – auch nicht ganz nebensächlich – bestens exekutiert werden. Man lehnt sich nicht übertrieben weit aus dem Fenster, aber immerhin so weit, dass man ein Stück Himmel sehen kann, zum Beispiel beim großartig speckigen Erdäpfelschaum mit Dörrobst-Chutney oder der Rote-Rüben-Essenz mit Räucheraal und Kümmelgrießnockerl: bekannte Akkorde, stimmig neu vertont, so geht unprätentiös moderne Küche. Auch die Standards gelingen, das Steak aus der Hochrippe sogar äußerst präzise, während die leicht unterspektakulären Lammkoteletts von einer erfrischend unbröseligen Orangen-Kräuter-Kruste profitieren. Stumme Verehrung am Ende für den geeisten Nougatkuchen mit Kletzen und Birneneis. Oder doch lauter Jubel? Am besten beides.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...