Nicht wenige erfahrene Feinesser zählen dieses nur ein halbes Dutzend Tische umfassende Lokal zu ihren Lieblingen. Können wir irgendwie nachempfinden. Eine kleine, handgeschriebene Karte weist auf die Angebote des Tages hin. Darunter zum Beispiel ein Degenfisch (kommt übrigens aus 700 Meter Tiefe und stirbt bereits beim Auftauchen, weil er den Luftdruck nicht verträgt, der Arme) mit Blätterteig, Morcheln und Flusskrebsen. Das Fleisch zart und leicht süßlich. Zu den Standards zählen die niemals langweiligen Vorspeisen, wovon man die gebackenen Stockfischbällchen ebenso wenig auslassen darf wie die köstlichen Schinken in Rosa und Schwarz (forget Jabugo!), Artischocken mit einer gut abgeschmeckten Vinaigrette oder die berührend guten Brote mit Sardine. Klar, dass dem Stockfisch, dem Bacalhau, eine entsprechend große Bühne geboten wird. Es gibt ihn in allen möglichen Rezepten, gegrillt, gekocht, zum Beispiel in einem duftenden Gemüsesud mit Garnelen und Erdäpfeln oder in einer mit Kreuzkümmel abgerundeten Sauce mit kleinen Shrimps, Gemüse und ebenfalls Erdäpfeln. Davon lässt man dann erst einen Bissen zurückgehen, wenn das Fassungsvermögen des Magens an seine Grenzen gestoßen ist – so gut schmeckt das nämlich. Vinho Verde ist dazu ein Thema, wobei auch die portugiesischen Biere Beachtung verdienen, und zum Käse gibt es eine Auswahl von fast einem Dutzend offen angebotenen Portweinen in allen Farbschattierungen. Freundliche Bedienung, angenehme Atmosphäre und zum Abschied köstliches Schoko-Konfekt. Wir kommen wieder.
A Barraca Lucinda Vinho Tavares
Rein zufällig kommt hier kaum jemand vorbei. Doch das winzige Lokal in einer ehemaligen Fleischhauerei hat sich seinen Ruf als bester Portugiese der Stadt über Jahre erarbeitet. Charmante Kleinrestaurants dieses Zuschnitts – er in der Küche, sie im Service – kennt man aus dem Süden Europas. Standardgerichte ersieht man aus der Karte, Tagesspezialitäten stehen auf einer knallroten Tafel. Allgegenwärtig ist Stockfisch alias Bacalhau, in fünferlei Art als Hauptgang oder für Skeptiker in „Testgröße" als Tiborras com bacalhau – mariniert auf köstlichen ofenknusprigen Brötchen mit Olivenöl. Ungewohnt und spannend ist das Geschmacksbild der leicht gebundenen Koriandersuppe mit pochiertem Ei. Schwarzer Degenfisch – ein festfleischiger Tiefseebewohner – wird punktgenau gegart mit Morcheln und Garnelen im Blätterteig aufgetragen. Für Ziegenconnaisseure ist hier Mekka, diesmal gab es butterzarte Jungziege in Rotweinsauce mit Steinpilzerdäpfeln. Der Dessertklassiker Portugals sind Pastel de natas, kleine Vanillecremetörtchen mit Butter-Blätterteig, die hier erst nach Bestellung frisch gefertigt werden. Ein Ort zum Wohlfühlen und Zeitvergessen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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