Großflächige Ölgemälde, roter Plüsch, Life-Musik – das erwartet sich der Gast von der Roten Bar. Und wird diesbezüglich nicht enttäuscht. Es empfing uns nicht nur dieses einzigartige Ambiente, sondern auch der herrliche Geruch frisch herausgebackener Wiener Schnitzel. Des Österreichers liebste Speise war an unserem Besuchstag fast an jedem Tisch präsent und entlockte den vorwiegend ausländischen Gästen ein zufriedenes Lächeln. Wir wollten es jedoch genauer wissen und bestellten uns zunächst eine gebratene Felsengarnele mit Salatherzen und Kräutern – gelungen. Die sämige Muschelsuppe überzeugte geschmacklich, doch die winzigen und spärlich gesäten Muscheln konnten wir sensorisch kaum wahrnehmen. Schwarze Trüffeln hätten die ausgezeichnete Crépinette vom Perlhuhn verfeinern sollen, doch das Gericht musste ohne den Edelpilz auskommen. Warum, konnten wir auch vom Service nicht erfahren, wir hätten uns aber zumindest eine Entschuldigung erwartet. Dazu gesellte sich zu kurz gekochtes Gemüse, besonders die Stangenbohnen schienen noch roh. Die geschmorte, besonders zart geratene Rindsroulade rettete die 14 Punkte.
Sacher - Restaurant „Rote Bar“ Familie Gürtler
Im Sacher bietet die Rote Bar großes Kino: Die Herren Ober scheinen fast jeden Gast seit Jahren zu kennen, mühelos zwischen den Fremdsprachen hin und her zu wechseln und sich jede Vorliebe der glücklichen Touristen aus nah und fern zu merken. Das ist wichtig, wenn man nur unter dem Kaiser-Bild sitzen will oder sich schon so lange auf die Salzburger Nockerln gefreut hat. Selbst der Klavierspieler erahnt die Stücke, die er für wen zu welchem Anlass spielen soll. Die Küche liefert ein solide, gute Klassik mit ambitionierten Gängen, etwa einem wirklich fein und würzig abgeschmeckten Beef Tatar mit mildem Trauben-Senf-Eis oder einem leichten Gericht aus Bachkrebsen, etwas uninspirierten, weil banalen Kraut-Wicklern und wunderbar mürben Mini-Grammelknödeln. Danach hätten wir uns beim Zander in burgenländischer Steckerlfisch-Manier mehr Kreativität erwartet, ein gutes und am Punkt gegartes Stück vom edlen Fisch einfach mit einem kleinen Spieß zu durchbohren, ist ein bisschen wenig. Auch die Trilogie von der Charentais-Melone klang nach mehr, als dann am Teller landete: einmal Eis, einmal Frucht, einmal Konfekt. Nett.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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