Ein bisschen etwas Zwitterhaftes hat das Lokal ja schon: Szene-Café im Erdgeschoß, wo man Schönheit und Erfolg artgerecht präsentieren kann (zumindest während der Festspiele), und Restaurant im ersten Stock. Das allerdings auch nicht so ganz zu wissen scheint, ob es unprätentiös und lässig oder anspruchsvoll und distinguiert sein soll – es ist von beidem ein bisschen. Wir erinnern uns: Der ursprünglichen Küchen-Idee, Jörg Wörther hier Gourmet-Stanitzeln basteln zu lassen, folgte dann doch eine wirkliche Küche, die Wörther aber bald wieder ver- und Franz Fuiko überließ. Der hier das kocht, was er immer schon gekocht hat, wunderbare Kreationen aus der Hochblüte der heimischen Gourmet-Renaissance – nicht immer hundertprozentig zeitgemäß, deswegen aber um kein Gramm weniger interessant. Das Knusper-Stanitzel mit Tomaten- und Brotwürferln als ersten Gruß aus der Küche vergessen wir gleich einmal, die Selektion von Consommé mit Eierschwammerln, confiertem Kabeljau mit Rote-Rüben-Creme und Kalbstatar machte da viel mehr Spaß. Und dann gleich ein Highlight des Degustionsmenüs: Jakobsmuscheltatar mit Erdäpfelflan und Salzburger Kaviar, benetzt von einem der kultigen Veronelli-Öle – phantastisch. Kalbskopf und Flusskrebse mit Steinpilzen und Estragon entsprachen dann der gerade unvermeidlichen Mode, Fisch mit Innereien mischen zu müssen, recht interessant, aber nicht hundertprozentig überzeugend. Ähnlich beim Zander mit Blattspinat und einem mit Chorizo gefüllten Raviolo mit Tonicschaum, ein bisschen viel Tamtam. Extraklassisch dann der Hummer mit Zitronenvelouté und Zitronenraviolo, sehr schön, bravo, marzipanweiche Taube auf Polenta auch ganz die alte Schule, wunderbar umgesetzt. Die Himbeernocken mit Himbeersorbet waren leicht, gut so, weil sonst hätten wir sie nicht mehr essen können.
Carpe Diem Finest Fingerfood Roland Neulinger und Franz Fuiko
In der Getreidegasse, wo sich Fast Food und Billigketten in letzter Zeit unziemlich breit gemacht haben, eine kulinarische Oase. In den Hauptrollen auf einer längst auch architektonisch zum Salzburger Klassiker avancierten Bühne: Roland Neulinger und Franz Fuiko, zwei bekannte Namen und zwei Garanten für eine zweifelsfrei auf hohem Niveau choreografierte Performance im ersten Stock des Carpe Diem. Empfang, Empfehlung und Betreuung klappen bestens, dass dem Service dabei nie der Witz ausgeht, macht das Ganze nicht weniger sympathisch. Franz Fuiko konnte seine Mannschaft am Herd mit ein paar weiteren verlässlich guten Mitköchen versehen, was ihm selbst mehr Zeit zum Nachdenken und Experimentieren lässt. So liest sich schon die Karte absolut nicht langweilig, denn Fuiko ruht sich nicht dabei aus, seine Erfahrung (Koch des Jahres 1988!) und Routine ins Spiel zu bringen, sondern pocht auf neue Ideen. Schaumschläger ist er allerdings keiner. Wenn, dann ist es eine köstliche, nach dem Verfahren der Hollandaise zubereitete Sauce, die ein wachsweiches Ei bedeckt, das auf Brennnesselspinat serviert wird, dazu Croutons, herrlich. Dann wieder Kalbsbries-Mousse, darauf eine rohe Jakobsmuschel, darunter ein leicht gelierender Saft von der Salatgurke. Sehr gut. Eine Brunnenkressesuppe, purer Frühling. Manchmal neigen Fuiko und seine Mannschaft dazu, den Raum am Teller etwas zu sehr auszureizen. Da liegt ein Kalbsfilet, daneben ein Stück geschmortes Kalb, darauf gebratene Gänseleber plus etwas vom Räucheraal. Nicht genug, gibt es dazu noch frische Morcheln und als Side-Dish einen würzmäßig doch ziemlich angereicherten Kalbsfond. Sehr gut, aber auch sehr viel. Doch will man einem Küchenchef seine Großzügigkeit zum Vorwurf machen? Wohl nicht. Die Desserts klassische Schule: Topfensoufflé und ein herrlich duftendes Sorbet aus Kräutern. Die Weinkarte: gut gefüllt mit bestem Stoff, der nicht unbedingt teuer sein muss, wie man beim Durchblättern lernt.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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