Im Vorort St. Peter kocht seit dem Vorjahr Jürgen Kleinhappl auf – seine Kreationen sind auf jeden Fall eine Augenweide, passend zur Architektur des Lokals ebenso wie zum Publikum. Geschmacklich wären noch Steigerungen möglich – die getrüffelte Sellerieschaumsuppe als Gruß der Küche schmeckte kaum nach Sellerie und überhaupt nicht nach Trüffeln. Sehr kräftig hingegen das Gemüsetatar mit Büffelmozzarella und die Jakobsmuscheln auf Steinpilzrisotto. Also warteten wir gespannt auf die Hauptspeisen: Der Steinbutt mit Eierschwammerln, Zucchinisauté und (zu salziger) Rotweinbutter zeigte die Möglichkeiten der Küche auf, die braven Edelfische auf langweiligen, maschinell gekrendelten Montasio-Ravioli und großartigem gebratenen Radicchio Trevisano wiesen eher auf betriebswirtschaftliche Sachzwänge hin. Abschließend erfreute uns die Variation von Bitterschokolade, Kirsche, Sauerrahm und Mandeln. Zusammenfassend ein zwiespältiges Bild: einerseits viel Show und schwankende Qualität, andererseits wirklich gute Ideen. Notwendig wäre die Konzentration auf Einfachheit und Eigengeschmack ebenso wie auf ein konstantes Niveau. Vielleicht sollte man dem Küchenchef mehr Freiheiten lassen?
San Pietro Honorarkonsul Angelo Urban
Die Anfangsschwierigkeiten sind vergessen, Jürgen Kleinhappl muss zwar im der modernen Lavazza-Vertretung angeschlossenen Restaurant San Pietro italienisch kochen, tut dies aber in einer bislang in Graz nicht bekannten Qualität. Dass er sein junges Team gut geschult hat, bewies er bei unserem jüngsten Besuch durch seine persönliche Abwesenheit. Das vier- bis sechsgängige „Olivenöl-Menü“ wurde von einem dezenten Spargelschaumsüppchen eingeleitet, sowohl die Frühlingskräutersuppe mit Jakobsmuschel als auch das Branzinofilet auf Spargel mit „Oskarschinken“ begeisterten durch exakte Garzeiten, perfekte Würzung und beste Geschmacksharmonie. Dazu gab’s neben dem obligaten Olivenöl grüne Bohnen und milde Rollgerste, die mit dem saftig-zarten Fleisch geschmacklich nicht konkurrierten. Auch à la carte alles bestens, von der leichten Lasagne von Zucchini und Schafkäse über einfallsreiche Pasta – etwa Trenette mit Lachs und Frühlingskräutersalat – bis zu Fisch und Fleisch. Der Patissier reihte sich mit einer köstlichen Nougat-Erdbeer-Ganache, mit Olivenöl und Sauerrahm zubereitet, sowie dem warmen Schokotörtchen mit wunderbar herb-reifem Mangosalat in das zuvor Gebotene würdig ein.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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