Durch die neue Umlaufbahn wurde die vormals von endlosen Autoschlangen heimgesuchte größte Alm Europas weitgehend verkehrsberuhigt. Die teilweise winzig kleinen Geräte- oder Heuschuppen nennt man auf der Seiser Alm „Schwaige“. Die Gostner Schwaige der Familie Mulser auf 1930 Höhenmetern ist eine richtige Almwirtschaft mit Schafen, Hühnern und Kühen, mit einem Kräuter- und einem Blumengarten. Von der Milch wird Käse oder Butter gemacht, das Fleisch für Franz Mulsers Kleinstgasthaus stammt aus dem Familienhof. Es gibt wahrscheinlich in ganz Südtirol keinen besseren Kaiserschmarren mit einheimischer Preiselbeermarmelade als hier, wo er mit essbaren Blüten garniert in der Eisenpfanne serviert wird, das intensive Dottergelb kann Grüblerseelen hellauf erleuchten. Unser Rindsschulternahtl mit Rösterdäpfeln war vorbildlich weich und schön saftig. Bei größerem Andrang an Wochenenden kann die Miniaturküche kurzfristig ein bisschen ins Trudeln geraten, aber die Almbrigade verliert nie die Ruhe und Freundlichkeit. Die Sünd’ auf der Alm: Heublütensuppe, serviert im ausgehöhlten Brotlaib, den man gerne aufisst.
Gostner Schwaige Franz Mulser
Franz Mulser, Wirt der Gostner Schwaige, ist ein Unikum. Immer mit grauem Filzhut, Lederhose und blauem Schurz anzutreffen, kocht er in einer winzigen Hütte auf der Seiser Alm (die Schwaige ist von der Bergstation der Umlaufbahn in etwa 30 Minuten gemütlicher Wanderung oder per Pferdekutsche erreichbar) Wohlschmeckendes aus der Südtiroler Tradition und nutzt dabei so oft wie möglich Erzeugnisse der eigenen Landwirtschaft (besonders Fleisch und Milchprodukte). Das geschmorte Schulternahtl vom hauseigenen Simmenthaler Almochsen war saftig, die dazugereichte Polenta schön cremig – etwas mehr Sauce hätte aber gereicht werden sollen. Mulser verziert praktisch jedes seiner Gerichte mit Kräutern oder Blumen, die natürlich auch essbar sind. Ausgezeichnet mundete hier oben auf 1930 m Meereshöhe mit wunderbarem Blick auf die umliegenden Bergketten auch der Apfelstrudel mit kräftigem Almrahm, Zimtzucker und Blüten. In der Regel bleibt die Gostner Schwaige bis 18 Uhr geöffnet, auf Vorbestellung zeigt Franz Mulser am Abend, dass er überzeugend und weit über das Traditionelle hinaus zu kochen vermag.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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