Detailansicht 2012

2011
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Durch die neue Umlaufbahn wurde die vormals von endlosen Autoschlangen heimgesuchte größte Alm Europas weitgehend verkehrsberuhigt. Die teilweise winzig kleinen Geräte- oder Heuschuppen nennt man auf der Seiser Alm „Schwaige“. Die Gostner Schwaige der Familie Mulser auf 1930 Höhenmetern ist eine richtige Almwirtschaft mit Schafen, Hühnern und Kühen, mit einem Kräuter- und einem Blumengarten. Von der Milch wird Käse oder Butter gemacht, das Fleisch für Franz Mulsers Kleinstgasthaus stammt aus dem Familienhof. Es gibt wahrscheinlich in ganz Südtirol keinen besseren Kaiserschmarren mit einheimischer Preiselbeermarmelade als hier, wo er mit essbaren Blüten garniert in der Eisenpfanne serviert wird, das intensive Dottergelb kann Grüblerseelen hellauf erleuchten. Unser Rindsschulternahtl mit Rösterdäpfeln war vorbildlich weich und schön saftig. Bei größerem Andrang an Wochenenden kann die Miniaturküche kurzfristig ein bisschen ins Trudeln geraten, aber die Almbrigade verliert nie die Ruhe und Freundlichkeit. Die Sünd’ auf der Alm: Heublütensuppe, serviert im ausgehöhlten Brotlaib, den man gerne aufisst.

2010
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


So wie viele Südtiroler Jungköche, hat sich auch Franz Mulser sein Rüstzeug im Münchner Restaurant Tantris geholt. Doch im Unterschied zu den meisten Kollegen hantiert der Gostner Franz, wie er in seinem Heimatdorf Kastelruth genannt wird, nicht mit Siphonflaschen herum, um den Gästen geschmacksverfremdende Espumas auf den Teller zu spritzen. Genau das Gegenteil ist hier der Fall. Die kleine Almhütte der Gostner Schwaige bietet nur wenig Platz. Auf engstem Raum zaubert Herr Mulser die urtypischsten Leckerbissen. Die Ochsenschwanzravioli mit Spargelragout präsentierten sich optisch anspruchsvoll und geschmacklich subtil. Frische Wiesenblumen und unendlich viele Kräuter, allesamt aus dem eigenen Garten, begleiteten sämtliche Gerichte. So etwa das Filet vom Simmentaler Rind, das perfekt gegart und butterweich kredenzt wurde. Wahrlich ein geschmackliches Feuerwerk entfachte der Franz mit dem mit Almkäse gefüllten Kartoffelstrudel auf marinierter Rauke. Das Highlight auf der Alm war auch diesmal der Kaiserschmarren, in der Eisenpfanne serviert. Auf Vorbestellung kann man ein Abendmenü genießen. So wie alles hier, trägt auch die Weinkarte die persönliche Handschrift des äußerst sympathischen Küchenmeisters.

2009
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2009.


Almerlebnis und Gourmetwonnen? In der Gostner Schwaige auf 1930 Metern Höhe ist das möglich. Nach 30minütigem Fußmarsch erreicht man die kleine Hütte auf der Seiser Alm, in der der junge, sympathische Gostner Franzl auf engstem Raum mittags einheimische Kost serviert und dabei die Klassiker wie Speck am Brett, Almkäse, Knödel, Kaiserschmarren oder Apfelstrudel nicht auslässt. Wer es ausgewählter wünscht, kann sich für den Abend zum Degustationsmenü telefonisch voranmelden. Der Risotto mit allerlei Gartengemüse und Basilikum-Ricotta mundete, hätte wohl aber besser Gartengemüse mit Risotto benannt werden sollen, denn die Reiskörner ließen sich fast schon abzählen. Weich und gekonnt erwies sich das Rindswangerl in Lagrein-Sauce auf Kräuterpolenta. Sehr gut die Desserts: Himbeer-Rhabarber-Tiramisu und Schokoladen-Himbeer-Rosenschnitte mit Vanillecreme. In einer ungezwungenen Atmosphäre wird im Freien auf langen Holzbänken und -tischen gegessen oder etwas gedrängt in der Schwaige an einem der wenigen Tische.

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Gostner Schwaige Franz Mulser

Franz Mulser, Wirt der Gostner Schwaige, ist ein Unikum. Immer mit grauem Filzhut, Lederhose und blauem Schurz anzutreffen, kocht er in einer winzigen Hütte auf der Seiser Alm (die Schwaige ist von der Bergstation der Umlaufbahn in etwa 30 Minuten gemütlicher Wanderung oder per Pferdekutsche erreichbar) Wohlschmeckendes aus der Südtiroler Tradition und nutzt dabei so oft wie möglich Erzeugnisse der eigenen Landwirtschaft (besonders Fleisch und Milchprodukte). Das geschmorte Schulternahtl vom hauseigenen Simmenthaler Almochsen war saftig, die dazugereichte Polenta schön cremig – etwas mehr Sauce hätte aber gereicht werden sollen. Mulser verziert praktisch jedes seiner Gerichte mit Kräutern oder Blumen, die natürlich auch essbar sind. Ausgezeichnet mundete hier oben auf 1930 m Meereshöhe mit wunderbarem Blick auf die umliegenden Bergketten auch der Apfelstrudel mit kräftigem Almrahm, Zimtzucker und Blüten. In der Regel bleibt die Gostner Schwaige bis 18 Uhr geöffnet, auf Vorbestellung zeigt Franz Mulser am Abend, dass er überzeugend und weit über das Traditionelle hinaus zu kochen vermag.

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