In der Steyrer Altstadt gibt es eine kleine, italienische Enklave. Der Charme des Friaul in Verbindung mit einem gewissen Maß an großzügiger Nonchalance beseelen das Lokal und prägen auch die Küchenphilosophie. Wir probierten eine schmackhafte Bärlauchschaumsuppe und eine Jota (friulanische Suppe mit Sauerkraut, Speck und Bohnen), die von ihrer Konsistenz eher an einen Sterz als an eine Suppe erinnerte. Die geschmorte Lammkeule und die gebratene Lammleber waren eine würzige und zugleich deftige Angelegenheit, die gut mit Friauler Kreszenzen harmonierte. Die Forelle war leider zu lange in der Pfanne gewesen. Ein kurzer Espresso beschloss ein typisch italienisches Mahl.
Franz Ferdinand Forstreiter KG
Im Franz Ferdinand gilt es heuer eine klare Trennlinie zwischen Service und Küche zu ziehen. Ersterer agierte völlig unprofessionell und zeitweise sogar äußerst unhöflich und unbeholfen. So wurden Bestellungen – trotz geringen Gästeaufkommens – ständig vertauscht und dass man als Gastgeber zuerst grüßt, hat sich bis nach Steyr wohl noch nicht herumgesprochen. Diese Schwächen wirkten sich gottlob nicht auf die Speisen aus. So gefielen zunächst das Kalbsrahmbeuschel und eine sämige Paprikaschaumsuppe. Die als Zwischengang georderte Muschelpfanne – unter anderem mit Venus- und Messermuscheln – begeisterte durch die Größe der Portion sowie durch den feinen Weißweinsud, den wir einfach bis zum letzten Löffel essen mussten. Die gebratenen Seezungenfilets mit einer leicht säuerlichen Zitronensauce waren ebenso wie die Kalbsleber in Rotwein hervorragend. Ein kleiner Espresso und ein hausgemachtes Vanilleeis beendeten unser Essen, bevor sich der schon erwähnte Service ein weiteres Glanzstück leistete. Wie bei allen anderen Gästen war es auch bei uns leider nicht möglich, die Originalrechnung zu bekommen. Wir mussten uns mit einer DIN-A4-Kopie begnügen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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