Dieses Restaurant ist nicht eines der adrettesten, aber eines der besten im Süden von Wien. Zudem fällt wohltuend auf, dass ausschließlich Produkte aus der unmittelbaren Umgebung verarbeitet werden. Schon die beiden Vorspeisen belegten, dass auch nach den Kochrochaden im Vorjahr das Niveau gehalten wird. Das Landei mit mariniertem Bio-Grünspargel und Loipersbacher Rohschinken oder das keinesfalls superscharfe Chili-Beef-Tatar plus Carpaccio vom Leithaberg-Rindsfilet mit Pesto und Erdäpfelblini zeugten von der Kunst des Abschmeckens und Arrangierens. Beim Leithaberg-Schwein gesurt und gebraten mit glacierten Karotten und Bärlaucherdäpfelpüree demonstrierte die Küche sowohl, dass dem Schwein auch in der gehobenen Küche sein Platz gebührt, als auch die leider sonst rare Fähigkeit, mit dem Brachialkraut Bärlauch gekonnt umzugehen. Speisekartenpoesie folgte beim „Aroma gebratenen Alpenlachs aus Rohr im Gebirge trifft Farfalle, Solo Spargel und Kopfsalat", wobei das Treffen erfreulich ausfiel – das sehr gute Tier wurde gerade glasig gegart, die anderen Beteiligten harmonierten trefflich. Ein delikater Topfenschmarren beschloss dieses ausgezeichnete Mahl.
Rosenbauchs Franz und Karl Rosenbauch
Ein Bahnhofsrestaurant dieser Qualität würde man sich auch anderswo wünschen (einziger Nachteil: Der letzte Zug zurück Richtung Wien fährt bereits um 20.14 Uhr). Für einfachere Ansprüche gibt es den Wirtshausteil, auf knappem Zwei-Hauben-Niveau speist es sich im Restaurant, das mit recht fantasievoll zubereiteten und nicht ganz billigen Produkten aufwartet. Warum auch nicht den an sich einfachen Capresesalat mit Jakobsmuscheln und Gambas (samt Minipipette zur Olivenölinjektion) adeln und effektvoll auf schwarzem Stein mit geschmacksintensiver Vanillemayonnaise anrichten? Weniger stimmig präsentierte sich das Duett vom Mai- (tatsächlich Juni-)Bock: Top das Filet mit Beerensalat, bieder-brav das Geschmorte mit Palffyknödel. Und wenn schon beides, dann besser hintereinander in zwei Gängen. Stets verlassen kann man sich auf die (auch glasweisen) Weinempfehlungen des Patrons Karl Rosenbauch, in diesem Fall der tiefgängige Kollwentz'sche Cabernet Sauvignon 2005. Schade, dass die (überteuerten) Desserts nicht immer mithalten können: Dreierlei von der Marille – Sorbet, Knödel und Fru Fru – ganz nett, aber ohne Raffinement. Das umfangreiche Gedeck und den großzügig angelegten, teilweise auch regentauglichen, da überdachten Gastgarten gilt es jedenfalls positiv hervorzuheben.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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