Reiners Wirtshaus befindet sich wohl in einer der unattraktivsten Gegenden von St. Johann. Nahe einer stark befahrenen Durchzugsstraße, inmitten eines Industriegebietes gibt es eigentlich wenig Anreiz, hier Station zu machen. Wäre da nicht der schmucklose Zweckbau, in dem sich eine engagierte Küchen- und Servicemannschaft um das Wohl der Gäste kümmert. Unseren ersten Durst löschte ein Uhudler-Sekt, und die al dente gekochten Ravioli mit einer Ochsenschleppfülle bekämpften vorerst unser Hungergefühl. Die folgende klare Safran-Fisch-Suppe mit Krebsnudeln begeisterte ebenso wie die Seezungenfilets, die im Bambuskörbchen gegart und mit einer Auswahl an Sprossen serviert wurden. Leichte Abstriche mussten wir beim Saltimbocca von der Forelle machen: Der Fisch war an sich tadellos, nur hatte man die dazu servierten Erdäpfel zu kurz gekocht. Bevor uns die sehr bemühte Kellnerin als Abschiedsgruß ein erfrischendes Zitronen-Sorbet servierte, ließen wir uns noch die Variation von der Himbeere – Eis, Topfen und Röster – schmecken. Endgültig beendeten wir unser Essen mit einer hervorragenden und fair kalkulierten gebrannten Quitte aus der Steiermark.
Reiners Wirtshaus Fam. Felleis
So ganz hat das Haus an der Salzach den Abgang seines langjährigen Küchenchefs offenbar noch nicht verkraftet, auch wenn sich die arg schwankende Performance der Umstellungs- und Selbstfindungsmonate inzwischen einigermaßen stabilisiert hat – auf etwas bescheidenerem Niveau als davor. Man kann „Reiners Haustoast“ auf der Standardkarte ruhig als Statement verstehen. Die wirklich schönen Schweinereien zu Beginn aber auch: großartige Rohwurst, himmlisches Grammelschmalz von Tieren aus eigener Zucht. Merke: Einfach währt am längsten. Wir haben uns versuchshalber trotzdem an die Ravioli mit Zander-Flusskrebs-Fülle und Safranschaum gewagt (und es schnell bereut), die butterweich geschmorten Schweinsbackerl mit Erdäpfelpüree machten aber fast alles wieder gut, der zartrosa Zwiebelrostbraten den Rest. Die offenbar unvermeidlichen Landgasthaus-Portionsgrößen gehen natürlich zu Lasten der Desserts, was in diesem Fall wirklich bedauerlich ist. Die Marillenmarmelade-Palatschinken zum Beispiel (ja, wir haben von der Vorspeise gelernt): einfach, super. Die teils fast unglaublich günstig kalkulierte, österreichisch dominierte Weinkarte übrigens auch.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...