Was uns in diesem Jahr zuerst negativ auffiel, war der Service – vordergründig bemüht, aber dann dennoch unaufmerksam; da wurden leere Weingläser übersehen, dann auch nicht abgeräumt – bestellter Wein nicht zum Gang serviert, sondern erst zu dessen Ende. Das Brot war angetrocknet und der Gruß der Küche kühlschrankkalt. Allerdings war auch die Küchenleistung in diesem Jahr unter dem hier schon erlebten Niveau. So war eine Tomatenschaumsuppe weit von Schaum entfernt, eher eine Sauce, scharf-sauer dazu, was nicht am Chorizo-Eis lag, das als kühles Nockerl auf einem nichtssagenden Taschenkrebsraviolo lag. Das Dreierlei von der Gänseleber durchaus interessant, jedoch war die Gänseleber von überraschender Festigkeit. Die beste Vorspeise waren für uns die hausgemachten Linguine in Tomatensud mit gegrillten Meeresfrüchten. Bei den Hauptspeisen konnte das Curry von Garnelen wieder mehr erfreuen, allerdings war das darauf folgende Kaninchen zu trocken. Die Lammstelze hatten wir in dieser Machart und mit den gleichen Beilagen schon letztes Mal positiv bemerkt. Jedoch war das Dessert wieder zu bemängeln, zu lange haftete uns noch der ölige Geschmack der Apfelrollen im Stile asiatischer Frühlingsrollen und ebensolchen Teigs am Gaumen, den selbst ein starker Zimtbeigeschmack nicht restlos überdecken konnte.
Ella’s Bar. Restaurant Katharina Gröbl
Das Lokal mit der farbenfrohen Innenarchitektur und dem schönen Gastgarten direkt am Judenplatz feierte 2011 das fünfte Jahr seines Bestehens. In dieser Zeit hat es sich konsequent von „griechisch“ über „mediterran“ hin zu „Szene-Chic“ entwickelt. Zu Mittag sitzen hier Business-Lunch-Krawattenträger neben Innenstadt-Ladys, die zwischen Friseurtermin und Nagelstudio schnell einen Oktopussalat nibbeln, abends trifft sich das gestylte Ausgeh-Publikum. Klar, dass sich auch die Küche in dieser Umgebung recht gestylt präsentiert. Manche Gerichte wirken unnötig aufgeputzt, was aber der Grundqualität keinen Abbruch tut. Die Linguine mit Meeresfrüchten waren ein schönes Beispiel: Gute Pasta, kräftiger Geschmack nach Vongole und Kräutern – Limettenaroma und Safranschaum wären nicht nötig gewesen. Dafür schlossen Seezungenfilets mit Garnelen, Karottenpüree, Orange und Physalis eine unerwartet stimmige Koalition. Ella‘s Fischsuppe entpuppte sich als verlässlicher Klassiker mit intensivem Meeresduft, feiner Schärfe und cremiger Aioli-Sauce. Schön saftig und voller südlicher Intensität auch die Lammstelze auf Couscous. Die Haube ist verdient.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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