Im ersten Wiener Gemeindebezirk herrschen Rahmenbedingungen, von denen Restaurants in anderen Teilen Österreichs nur träumen können. So befindet sich im Procacci das Preisniveau bereits locker auf Zwei-Hauben-Niveau, die Leistung kratzt hingegen erst knapp an der ersten. Die mit Brät gefüllten Agnolotti piemontesi mit Asiago hätten es für sich alleine geschafft, auch wenn der angekündigte Thymian durch grob geschnittenen Petersil ersetzt wurde. Doch der rosa gebratene Thunfisch mit Tomaten-Orangen-Salat war im Kern noch zu kalt. Dies konnte auch die perfekte Würzung des Fisches nicht wettmachen. Eindeutig zu viel Salz hatte die Saltimbocca abbekommen, noch dazu erinnerte die eingedickte Sauce an die des Pastagerichtes. Ein nicht zu süßes Kokosnusseis mit weißer Leonidas-Schokolade überzogen und ein Espresso, der Urlaubserinnerungen an die Toskana erweckte, finalisierten den teuren Ausflug in italienische Gefilde.
Procacci Cosimo Zaccaria
Jede vernünftige Großstadt braucht Lokale wie dieses, Restaurants, in denen das Essen eigentlich nur mehr Nebensache ist, weil sonst eh alles so wunderschön scheint: Lage, Style, Publikum und vor allem die Chance, dort gesehen zu werden. Klingt nach Fabios, richtig, schmeckt nur leider nicht so gut: Das Beef Tatar war noch solider Standard, die Pappardelle mit Kalbsragout hätte man sich in der Filiale einer Florentiner Edelinstitution aber doch raffinierter gewünscht: die Pasta sehr well-done, das Ragout ziemlich unterkomplex. Annähernd ärgerlich dann das Ossobuco, das mit süßlicher Tomatensauce verunstaltet war, sowie das geschmacksneutrale Tiramisu. Schönheit ist nicht alles.
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