ber die großflächigen Wandgemälde (mit eingearbeitetem Besteck) im bloß esszimmergroßen Restaurant (vier Tische, 14 Sitze) sollte man eventuell einmal reden. Nicht in Frage steht dafür Mike Johanns schöpferische Kraft als Koch. Nach einem spitzbübisch deftigen Gruß aus der Küche (Weißwurstscheibe vom Kalb mit Linsen und kräftiger Senfmayonnaise) stand unser Besuch ganz im Zeichen seiner typisch kühnen Kombinationen. Das trifft auf das brave Dreierlei von der Schafkäsemousse weniger zu als auf den gebeizten Huchen mit frischer Grapefruit und fruchtigem Grapefruitgelee, auf den aromatischen „Tee“ von Wildkräutern mit Knuspergemüse und Kräutersulz weniger als auf die diskret herben Kalbskutteln mit zartschmelzender Gänseleber und Weinbirne. Über das perfekt glasige Huchenfilet mit zart säuerlich-bitteren Spaghetti vom schwarzen Rettich und Wermut wird fünf Jahre alter Schottenkäse gehobelt – schräg, aber aromatisch interessanter als die von intensiven Rotweinzwiebeln dominierte Milchkalbsscheibe mit Selleriepüree. Bei Desserts und Weinempfehlungen kann man sich getrost dem souveränen Handling des Patrons ausliefern.
Johanns Mike Johann
Es gibt nur wenige Restaurants, die derart auf ihren Besitzer zugeschnitten sind. Vier Tische, Genussladen, Kochkurse – Mike Johanns kleines Reich am Rand von Bruck an der Mur ist eine der kulinarischen Topadressen der Obersteiermark und nicht zuletzt unter den Managern der umliegenden Industriebetriebe als kulinarische Anlaufstelle äußerst beliebt – rechtzeitige Reservierung ist unerlässlich. Wer einen Tisch ergattert hat, darf sich auf die persönliche Betreuung freuen, der Chef berät und kocht selbst, ein Miniteam werkt im Hintergrund. Johann bietet zwei Menüs und ein paar seiner Klassiker, darunter die Schaumrolle von der Gänseleber. Schafkäse wird mit Würzbrot und knusprig gebratenen hauchdünnen Scheiben einer Hirschwurst gespickt. Krebse, Fenchel und eine Scheibe Blunze erweisen sich als sehr stimmige Vermählung ebenso wie Milchkalb, Sellerie und kleine Pofese oder Ziegenkäse mit Erdapfel und Paradeiser. Raffiniertes aromatisches Fine-Tuning und eine wunderschöne Optik ziehen sich durch die gesamte Speisenfolge. Verblüffend: die Weinkarte mit vielen guten sowie ein paar extremen Bouteillen u.a. von der Domaine de la Romanée-Conti.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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