Bei Max Stiegl, Pächter und Küchenchef in Personalunion, merkt man die Liebe zum Detail. Die alte Bausubstanz ist sehr geschmackvoll renoviert, und ist die Gelsenplage im Sommer nicht zu groß, sitzt man sehr gemütlich im Innenhof. Neben der klassischen, traditionellen Küchenlinie serviert Max Stiegl auch spannende Innereien-Gerichte. Wir haben den Abend mit der köstlichen Halászlé, vulgo pannonischen Fischsuppe, begonnen. Die Stücke vom Wels waren innen noch saftig, der Paprika und der Mangalitzaspeck rundeten das Bild ab – ein „Must“ im Gut Purbach. Wer es deftiger mag, wird an den Grammelknödeln mit zartknusprigen Grammeln und dem sehr feinwürzigen Ingwerkraut seine Freude haben. Auch die Lammzunge mit Selleriepüree war perfekt gelungen, knackig im Biss und mit einem köstlichen Fond serviert. Überhaupt erwiesen sich die Fonds als sehr aromatisch und passten großartig zu den Gerichten. Der Zwiebelrostbraten vom Galloway-Rind war ein wenig unauffällig, dafür der Steinbutt, im Ingwersud gegart, mit Frühlingskräuter-Risotto umso großartiger. Die Mohn-Topfen-Knödel mit Beeren und Eis zum Abschluss waren so köstlich, dass wir sie ein zweites Mal bestellten. Die Weinkarte ist gut bestückt und bietet erfreulicherweise auch gereifte österreichische Weiß- als auch Rotweine zu moderaten Preisen an.
Gut Purbach Max Raskovits Stiegl
Max Stiegl pflegt eine Leidenschaft für Innereien und hat damit eine Gourmet-Nische besetzt, in der er weit über Kutteln und Nierndln hinausgeht und sich auch an Hoden, Euter, Hirn und Schnepfendreck versucht. Doch die Eingeweide-Küche ist nur eine Seite des Lokals mit dem minimalistischen Interieur und dem schönen Innenhof. Die andere Seite kann als „modern pannonisch“ durchgehen – wobei sich hier im letzten Jahr eine gedankenlose Routine eingeschlichen hat, die den Gesamteindruck deutlich trübt. Zwar war die Fischsuppe mit Stücken vom Wels und Linsen kräftig und safrangelb wie immer, auch die Grammelknödel auf Paradeis-Ingwer-Kraut erfreuten mit flaumiger Konsistenz und feinem Aromen-Mix. Aber bei einem Kalbsherz in Wurzel-Rahm-Sauce sollte man doch erwarten, dass es über eine „Ja, eh“-Qualität, wie man sie in jedem Wiener Beisl findet, etwas hinausgeht. Generell neigt Stiegl zur Übertreibung, wenn er Saucen reduziert, so auch bei den Lammnieren mit schwarzen Linsen, wo der Fond den Eigengeschmack der Nieren übertönte und sogar noch den begleitenden Rotwein erschlug. Generell gelungen waren dafür die Fischgerichte, wobei das Zanderfilet mit Melanzani und Erdäpfeln in seiner mediterranen Leichtigkeit hervorgehoben werden soll.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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