Graz wird häufig als die nördlichste Stadt Italiens bezeichnet. Warum, kann man zum Beispiel in der hinter den Mauern eines wuchtigen Altstadtpalais versteckten Osteria Santa Clara erkennen. Die ausschließlich weibliche „Mannschaft" in der offenen Küche bereitet die vom Service mündlich vorgetragenen Speisen ehrlich-authentisch zu, wobei wir uns eingangs nie das Antipastibuffet entgehen lassen – und uns über die klug zusammengestellten Empfehlungen von frischem Matjes, eingelegtem Gemüse, Entenleber, köstlichem Käse etc. freuen. Traumhaft danach das mit knusprigem Fettranderl gebratene Iberico-Schwein, sehr gut auch die stets frischen Meeresbewohner wie Branzino und Riesengarnelen. Große, kommunikationsfördernde Tische im Innenhof, die bei Vollauslastung mit anderen Gästen geteilt werden müssen, tun ein Übriges, sich wie im Süden zu fühlen. Das große Angebot an feinen Weinen (auch glasweise) und durchwegs gelungene Desserts (Fromage blanc!) stellen weitere Pluspunkte dar, während Stoffservietten schon ganz angenehm wären.
Santa Clara
Gebratener Fenchel, Auberginen und Zucchini, gefüllter Kohlrabi, Oliventapenade, Matjes, marinierte Fisolen und Kichererbsen, selbst importierte, französische Salamis, Käse und Paté: Schon an der Antipasti-Theke könnte man sich angesichts der bemerkenswerten Vielfalt spielend satt essen (auch wenn das Sattsehen schwerfällt, so hübsch sind die Köstlichkeiten arrangiert). Darüber hinaus wird hier seit jeher sehr ordentlich gekocht, und was an Raffinesse abgeht, wird per Qualität wieder wettgemacht. Das Santa Clara ist wohl der einzige Ort in Graz, wo zur Saison immer wirklich frische französische Austern vorrätig sind, und wer feinaromatische Minestrone, tadellose Pasta oder zartestes Entrecôte bevorzugt, ist hier ebenfalls richtig. Ob Lammkrone oder Maishendlbrust: Der Umgang mit Fleisch ist in der zum Gastraum offenen Küche vorbildlich, und wer es deftig mag, sollte einmal die französischen Brat- und Blutwürste probieren, die der Wirt höchstpersönlich aus Frankreich holt: tolles Brät, intensivste Aromatik, nur das Stöcklkraut dazu war schon etwas müde gekocht. Verwunderlich bei all der kulinarischen Frankophilie: Die Weinkarte dominieren österreichische und italienische Kreszenzen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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