Dass immer mehr traditionelle Gasthäuser mit typisch österreichischer Küche zusperren, wird zu Recht beklagt. Andererseits lässt sich bekanntlich seit ein paar Jahren wieder ein Trend zu bodenständigen klassischen Gerichten feststellen. Gut, dass es da im größten Grazer Hotel, dem Weitzer, den Steirer gibt, der sowohl bekannte als auch fast vergessene (Kapaun!) regionale Spezialitäten hochhält. In unkomplizierter Atmosphäre brachten uns die freundlichen und flinken jungen Damen und Herren des Service nicht nur Klassiker wie Tafelspitz und Wiener Schnitzel (vom Kalb und in der Pfanne mit Schmalz gebacken) in guter Qualität, sondern auch so genannte steirische Tapas, von denen vor allem der Räucherkarpfen mit Selleriesalat und das pikante Erdäpfelgulasch in positiver Erinnerung blieben. Das ohnehin erfreuliche Preisniveau wird durch günstige werktägliche Mittagsmenüs noch unterboten, und wer im Weinangebot nicht fündig wird, kann gegen eine Servicepauschale vulgo Stoppelgeld von € 7,90 sämtliche Weinflaschen der angeschlossenen Vinofaktur ordern.
Der Steirer Florian Weitzer
Zur Idee der „steirischen Tapas“ kann man diesem Restaurant nicht genug gratulieren: Happen wie weiße Bohnen mit lauwarmer Räucherforelle, gedünsteter Ochsenschlepp mit Türkensterz, Schulterscherzl mit feinem Semmelkren oder die innen noch schön cremige gebackene Hühnerleber mit Vogerlsalat sind um je 2 Euro erstens wohlfeil und zweitens erstklassig. Auch Hauptgerichte wie Zander mit Rübengemüse und gebratener Sterzroulade oder ein hellgoldenes Wiener Schnitzel vom Kalb mit Preiselbeeren und Petersilienerdäpfeln berufen sich auf die traditionelle heimische Küche. Ebenso Angebote wie Rostbraten, Tafelspitz und der jeden Donnerstag Abend servierte „Graetzer Kapaun“. Das alles wird hingebungsvoll freundlich serviert. Lieblos ist eigentlich nur der Umgang mit den Desserts: die Vanillecreme kam nicht ge-, sondern verbrannt auf den Tisch, das „warme“ Schokotörtchen brennheiß.
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