Fährt man die Bundesstraße von Hohenems Richtung Götzis, fällt einem auf der rechten Seite der Gasthof Adler sofort auf. Allerdings nicht wegen seiner prunkvollen Erscheinung, sondern eher wegen seiner ziemlich ramponierten Fassade, die nicht gerade einen einladenden Eindruck vermittelt. Davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen und das Innere des Adlers unbedingt aufsuchen. Wenn man dann noch mit dem etwas rauen Charme der Chefin, die den Service leitet, zurechtkommt, erwarten einen ungeahnte Köstlichkeiten. In unserem Fall etwa eine zarte Rehleber auf Blattsalaten und eine ebenso köstliche geschmorte Kalbshaxe als Vorspeisen. Hätten wir geahnt, welche Dimensionen die Hauptspeisen erreichen, wir hätten wohl auf diese Gerichte verzichtet: Das Rehschnitzel in rahmiger Sauce wurde von einem kaum zu bewältigenden Erdäpfelgratin begleitet, die rosa gebratene Entenbrust von Nussspätzle, welche man kaum besser machen kann und deren Portionierung locker für zwei Personen gereicht hätte. Der kleine Subirer danach musste jedenfalls sein, für den Beifahrer. Der Chauffeur musste sich mit einem erfrischenden, jedoch etwas zu süßem Birnensorbet begnügen.
Gasthof Adler
Das Ambiente ist katastrophal: Die heruntergekommene Fassade des 110 Jahre alten Gebäudes außen, schmuddelig auch drinnen: Aus der Küche roch es stark in die einfach ausgestatteten Gaststuben, der Boden und die alten Tischtücher waren schmutzig, unser Platz nicht vollständig aufgedeckt, die Bestecke uneinheitlich, der Service ungelernt – so öffneten sich die Gäste den Wein selbst. Hausherr Martin Griesser kocht vorwiegend österreichisch, neben Standards wie Schnitzel, Cordon bleu oder Geschnetzeltem werden saisonale Tagesempfehlungen angeboten. Gedeck und Aufstrich vorab gab es nicht, dafür sehr reichhaltige Portionen. Das dünn geschnittene Thunfischcarpaccio hatte zu viel Garnierung, lieblos angerichtet waren Ziegenkäsle und -mousse auf Spinatsalat mit zu intensiver Olivenvinaigrette. Die Grießnockerln in echter Rindsuppe waren schön flaumig und die Kräutercremesuppe gut abgeschmeckt. Lobenswert die Fleischqualität sowohl bei Hühnerbrust als auch beim Kalbsrücken, beide schwammen aber in viel zu viel Sauce. Die mit unnötigem Beiwerk versehene Zitronen-Topfen-Mousse mit karamellisierten Marillen wurde obendrein mit Fleischgabel und Suppenlöffel serviert. Auf der Weinkarte finden sich ausschließlich Weine aus Österreich.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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