Die Grenzen zwischen dem Gourmetrestaurant Toni M. und der guten Alten Traube unter einem Dach verschwimmen manchmal optisch, wenn man durch das Mörwald’sche Stammhaus geht. Studiert man aber die Speisekarte und betrachtet den ersten Gang, weiß man, dass man in der Königsklasse sitzt. Denn, und das sei einmal klargestellt: Dem omnipräsenten Unternehmer gelingt es trotz mancher Unkenrufe, ein beachtliches Niveau sicherzustellen. Hier werden vor allem erstklassige Produkte weiterveredelt: aus dem Mariazeller Wildsaibling ein Tatar zuzubereiten, war fast eine Beleidigung des Fisches, der Beluga-Kaviar dann aber ein schöner Trost. Die reifen Avocados danach waren mit Bachkrebsfleisch gefüllt worden, nur das Mandelöl verstärkte das Aroma der Frucht ins Fette. Sehr gut hingegen gefielen uns dann die in Salbei gebratenen Tournedos vom Neusiedlersee-Zander auf Selleriecreme, einem Hauch Mokkaaroma und Blattspinat. Bei allem Luxusaufwand wagt sich die Küche zum Glück auch an Innereien: Zum gebratenen Kalbsfilet wurde ein fein sautiertes Bries gereicht. Am Schluss gelang das luftige Wagramer Walnuss-Soufflé. Und: Den Weinkeller muss man ausdrücklich loben.
Mörwald Toni M. Toni Mörwald
Der Unterschied zwischen dem Gasthaus zur Traube und dem Gourmetrestaurant Mörwald Toni M. – beides an der gleichen Adresse – ließe sich am ehesten vergleichen mit dem Unterschied zwischen Sekt und Champagner. Hinter dem, was bei Toni M. geboten wird, steckt eine Spur mehr Know-how und Methode, was den erhöhten – teilweise stolzen – Preis rechtfertigt, der sich jedoch relativiert, wenn man bedenkt, dass sowohl das Gedeck (ein hauchdünn geschnittener, fein durchzogener, sehr delikater Speck vom Wagram) als auch der Gruß aus der Küche (Gänseleberpraline mit süß-saurem Gelee von der Isabellatraube) und der Zwischengang (pochiertes Ei mit Kokosschaum und Bärlauch) nicht verrechnet werden. Es gehört schon einiges an Können dazu, regionale, bodenständige Produkte durch einen leichten Dreh in ein ganz großes Gericht zu verwandeln. Schon ein einziger Bissen der Ochschenschlepp-Tortellini genügte, um die ganze Kraft und Intensität einer Bouillon oder eines Rinderbratens am Gaumen zu spüren. Der dunkelbraune, gut reduzierte Jus dazu prägte dem Gericht durch sein eigenwilliges Morchel-Aroma den Stempel der Unvergleichbarkeit auf. Das Gleiche gilt für den Wagramer Lammrücken mit seinen orientalischen Gewürzen und den Saibling im glasigen, durchsichtig schimmernden Lardo-Hemd. Die mit Chili verfeinerte Himbeer-Consommé bildete in Kombination mit einem Holundersorbet einen eigenwillig-pfeffrigen Abschluss. Die Weinkarte ist umfangreich und lässt kaum Wünsche offen.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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