Seltsam, dass im Siebten die Anzahl der wirklich guten Verpflegungsstätten ungefähr so rar ist wie die der Grünflächen. Und das trotz des hohen Anteils an Grünwählern und genussorientierten Bobos. Oder tun sie nur so als ob, und bescheiden sich in Wahrheit mit einem Snack am nahen Spittelberg? Das Kulinarium 7 versucht hier Abhilfe zu schaffen. Und punktet schon mit dem hierorts unüblichen Ambiente sowie einer interessanten Auswahl an Ingredienzen und Weinen. Der große Tisch mit den Hockern mag zwar als optisch appetitanregend, allerdings etwas unbequem empfunden werden. Und auf der Weinkarte erweist sich nicht jede Flasche als Trouvaille. Die Küche gibt Gas, verheddert sich allerdings immer wieder in Details und erweist sich dann insgesamt da und dort als farblos. Ein in Roten Rüben gebeiztes Forellenfilet – o.k., eine Suppe mit Kalbsbries in einer Roulade – etwas langweilig, die Taubenbrust zu roh und entsprechend letschert, das Lamm perfekt rosa, aber zu fest. Eine mit Gemüsen und Kräutern belegte Polenta und ein farbenprächtiges Paprikacoulis dagegen wieder ein Lichtblick. Die abschließende Schokotarte entbehrte jeder Flaumigkeit. Mehr Konzentration, weniger Show, das würden wir uns hier wünschen.
Kulinarium 7 Philipp G. Prodinger
Die langgezogenen Tische, an denen man nebeneinander Platz nimmt, erinnern an modische Koch-Ateliers à la Robuchon, die Bestandteile der Menüs klingen nach internationalem Standard: Gänseleber, Jakobsmuschel usw. Dass sich der Service auch noch mit Pseudo-Französisch herumquält, weckt die Befürchtung, dass hier krampfhaft Trends imitiert werden. Doch schon der erste Gang zeugt von ausgeprägtem eigenen Spieltrieb: Gänseleber-Terrine mit Sellerie, Zitronenmarmelade und Vanillesalz: raffiniert und erfrischend. Herrlich altmodisch, aber überhaupt nicht fad waren die Hechtnockerln in einer würzig-fischigen Champagnersauce mit Limonenöl. Die Austern wurden in einen Streifen Speck gewickelt und geschmacklich abgewürgt. Großartig dafür die Cognac-Topinambur-Schaumsuppe mit sautiertem Kalbsbries, das hier „Brie“ heißt. Ein schöner Anblick war das sous-vide vorgegarte, geräucherte und gebratene US-Ribeye. Schade, dass das Rauch-Aroma dann alles überdeckte. Souverän dafür der gefüllte Seeteufel mit eingelegtem Fenchel und Ricotta-Gnocchi. Sehr schöne Desserts, z. B. Topfenknödel mit Dörrobstragout, Kaffee- und Tonkabohnen-Eis.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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