Detailansicht 2012

2011
12.5

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Der zur Straße hin durch hohe Fensterfronten optisch offene Raum folgt – ähnlich wie das 2008 eröffnete Hotel – aktuellen Einrichtungstrends. Obwohl im Internet anders angeführt, hat das Restaurant Montagabend geschlossen. Der junge Barkeeper reagierte professionell und schlug vor, in der Lobbybar des Hotels Platz zu nehmen und uneingeschränkt aus der Abendkarte des Restaurants zu wählen. Diese kündigte an, dass hier „anders österreichisch” gekocht werde – indem einem altbewährten Klassiker ein mediterran inspirierter Partner zur Seite gestellt sei. Beim Eierschwammerltatar mit Gänseleber, Räucheraal und Kresse gelang das. Beim Wiesenkräutersalat mit Marillen und gebackenem Kalbswangerl sorgten die Früchte für eine elegante süß-säuerliche Note, mehr frische Kräuter statt Radieschen und rotem Paprika hätten nicht geschadet. Vieles auf der Karte klang aufregender, als es tatsächlich war. Vom betörend schönen Rosensushi mit Himbeeressig-Karamellsauce blieb am Gaumen nur ein Hauch von Vanilleeis mit Gummibärchen-Aroma. Der Riesling kam zu warm, beim Grünen Veltliner passte die Temperatur.

2010
12

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Der Name dieses früheren Kaffeehauses ist legendär und die deutsche Hotelkette Steigenberger scheute sich nicht, das Restaurant im vergangenen Dezember eröffneten City-Hotel in der Herrengasse so zu nennen. Das ist ein nicht gerade dezentes Statement, man versuchte dem eigenen Mut aber gerecht zu werden, indem das Restaurant nicht nur einen eigenen Eingang bekam, sondern sich auch auf zwei urwienerische Grunddisziplinen verlegte, nämlich den Rostbraten und den Strudel. Ein sympathischer Zug, auch das tagsüber eher extra-kühle Interieur in Lila und Grau wirkt abends dank gutem Licht-Management wesentlich einladender. Dass man die guten Vorsätze dann aber zunichte macht, indem etwa der Salat – normalerweise eine der Stärken von internationalen Hotel-Küchen – in einem bizarren Teig-Topf serviert wird und man vom Lachs – als einer von diversen Salat-Begleitungen – als Herkunft nur „Nordsee erfährt, war weniger lustig. Die Frühlingskraut-Tascherln mit indifferenter Fülle auf marinierten Konservenpaprika sahen zumindest nett aus, die Lammnüsschen mit neutralen Bärlauchravioli und deprimierender Standard-Sauce leider nicht. Dass das Rindfleisch des Burgunder-Rostbratens aus Argentinien kam, wusste die Service-Dame immerhin, das Gespräch über die passende Weinbegleitung endete allerdings rasch aufgrund einer deutlichen Informations-Diskrepanz. Das Herrenhof ist ein gepflegtes, reichlich indifferentes Hotel-Restaurant, das diesen Nimbus allerdings nicht ganz ablegen kann oder will.

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Herrenhof Barbara Hammerschmid-Kovar

Die Abneigung gegenüber Hotelrestaurants gehört zu den Besonderheiten in vielen europäischen Großstädten. Dabei wurde das architektonisch nicht unwitzig in den Farben Goldbeige-Violett-Weiß gestaltete Restaurant Herrenhof des Steigenberger Hotels nicht irgendwo im Inneren des Gebäudes versteckt, sondern sogar mit einem direkten straßenseitigen Eingang gleich bei der U3-Station Herrengasse platziert. Die jungen Herren im Service agieren aufmerksam und freundlich, die Tischkultur ist tadellos. Nun, die Preise sind nicht – wie in so manch anderen mittelmäßigen Hotel-Restaurants – völlig abgehoben, billig ist es allerdings auch nicht gerade. Das Gebäck nicht mehr ganz frisch, das Amuse bouche eine ziemlich fischige Belanglosigkeit. Eine aus Haxerl sowie kalter und warmer (krosser) Brust bestehende Trilogie vom Stubenküken mit Avocados und Tomaten schmeckte eigentlich gar nicht so schlecht, nur bei der Würzung – von ungewürzt-langweilig bis versalzen – haperte es. Dieses Problem setzte sich auch beim leider nicht kross gebratenen Reinankenfilet aus dem Bodensee fort. Dessen Beilagen trugen so klingende Namen wie Purple Curry und Orangenfenchel, tatsächlich waren es primär Stampferdäpfel. Gleichzeitig mit den Hauptspeisen wurde die Lounge-Hintergrundmusik von einer Vorstandsrede über Umsatzzahlen abgelöst, eine Hauptversammlung wäre in einem Raum mit Tür irgendwie passender gewesen. Und unserer Stimmung zuträglicher. Abschließend noch eine Pistazien-Crème-brûlée mit Erdbeer-Rhabarber-Eis, das nicht hausgemacht schmeckte. Vielleicht doch verständlich, dass sich der Gästeansturm in Grenzen hält.

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