Der zur Straße hin durch hohe Fensterfronten optisch offene Raum folgt – ähnlich wie das 2008 eröffnete Hotel – aktuellen Einrichtungstrends. Obwohl im Internet anders angeführt, hat das Restaurant Montagabend geschlossen. Der junge Barkeeper reagierte professionell und schlug vor, in der Lobbybar des Hotels Platz zu nehmen und uneingeschränkt aus der Abendkarte des Restaurants zu wählen. Diese kündigte an, dass hier „anders österreichisch” gekocht werde – indem einem altbewährten Klassiker ein mediterran inspirierter Partner zur Seite gestellt sei. Beim Eierschwammerltatar mit Gänseleber, Räucheraal und Kresse gelang das. Beim Wiesenkräutersalat mit Marillen und gebackenem Kalbswangerl sorgten die Früchte für eine elegante süß-säuerliche Note, mehr frische Kräuter statt Radieschen und rotem Paprika hätten nicht geschadet. Vieles auf der Karte klang aufregender, als es tatsächlich war. Vom betörend schönen Rosensushi mit Himbeeressig-Karamellsauce blieb am Gaumen nur ein Hauch von Vanilleeis mit Gummibärchen-Aroma. Der Riesling kam zu warm, beim Grünen Veltliner passte die Temperatur.
Herrenhof Barbara Hammerschmid-Kovar
Die Abneigung gegenüber Hotelrestaurants gehört zu den Besonderheiten in vielen europäischen Großstädten. Dabei wurde das architektonisch nicht unwitzig in den Farben Goldbeige-Violett-Weiß gestaltete Restaurant Herrenhof des Steigenberger Hotels nicht irgendwo im Inneren des Gebäudes versteckt, sondern sogar mit einem direkten straßenseitigen Eingang gleich bei der U3-Station Herrengasse platziert. Die jungen Herren im Service agieren aufmerksam und freundlich, die Tischkultur ist tadellos. Nun, die Preise sind nicht – wie in so manch anderen mittelmäßigen Hotel-Restaurants – völlig abgehoben, billig ist es allerdings auch nicht gerade. Das Gebäck nicht mehr ganz frisch, das Amuse bouche eine ziemlich fischige Belanglosigkeit. Eine aus Haxerl sowie kalter und warmer (krosser) Brust bestehende Trilogie vom Stubenküken mit Avocados und Tomaten schmeckte eigentlich gar nicht so schlecht, nur bei der Würzung – von ungewürzt-langweilig bis versalzen – haperte es. Dieses Problem setzte sich auch beim leider nicht kross gebratenen Reinankenfilet aus dem Bodensee fort. Dessen Beilagen trugen so klingende Namen wie Purple Curry und Orangenfenchel, tatsächlich waren es primär Stampferdäpfel. Gleichzeitig mit den Hauptspeisen wurde die Lounge-Hintergrundmusik von einer Vorstandsrede über Umsatzzahlen abgelöst, eine Hauptversammlung wäre in einem Raum mit Tür irgendwie passender gewesen. Und unserer Stimmung zuträglicher. Abschließend noch eine Pistazien-Crème-brûlée mit Erdbeer-Rhabarber-Eis, das nicht hausgemacht schmeckte. Vielleicht doch verständlich, dass sich der Gästeansturm in Grenzen hält.
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