Wie auch in anderen gehobenen Ferienhotels hat man im Vier Jahreszeiten in Maurach am Achensee eine kleine Stube mit fünf Tischen als separates Fine-Dining-Restaurant gestaltet. Gut, aber müssen es wirklich vier Grüße aus der Küche sein? Erhöht es den Genuss tatsächlich, wenn man das Kalbskotelett in der Pfanne bei Tisch präsentiert, bevor es wieder retour in die Küche zum Anrichten wandert? Wer braucht in den Tiroler Bergen Wasser aus Norwegen oder gar ein knapp € 100,– teures Mineralwasser aus den USA? Apropos Getränke: Die Weinkarte ist kompetent zusammengestellt und durchaus fair kalkuliert. Schade nur, dass sich der Sommelier bei der Weinbegleitung zum Überraschungsmenü dann auf Banalitäten beschränkte. Erfrischend und den Gaumen belebend war der mit Honig und Pfirsich verfeinerte Balsamicoessig zum Auftakt. Gut, aber fälschlicherweise als Eierschwammerl-Cappuccino tituliert war das Steinpilz-Süppchen im Glas mit begleitendem Speckcrostino. Ordentlich die Riesengarnele mit Pfirsich-Gazpacho, gelungen, aber eigentlich banal der Zander in Kamillefond mit Apfel-Kohlrabi-Ragout. Das kulinarische Highlight des Abends war die schon angesprochene Hauptspeise: Das Tiroler Kalbskotelett mit Eierschwammerln auf Blattsalat zeugte von solidem Handwerk, das die Aromen der Produkte voll zur Geltung brachte. Nicht schlecht, aber etwas theatralisch präsentiert dann die abschließende Variation von der Marille zum Dessert. Der Küchenchef beherrscht zweifellos sein Handwerk, aber vielleicht sollte man sich hier doch etwas weniger auf die Inszenierung und mehr auf den Inhalt konzentrieren.
Michl Stub'n Hermann Wegscheider
Der Achensee und die umliegende Bergwelt des Rofan- und Karwendelgebirges sind die herrliche Kulisse für den großen Hotelkomplex. Während das Restaurant „Vier Jahreszeiten“ für die Hotelgäste vorgesehen ist, steht die danebenliegende „Michl Stub’n“ hauptsächlich den À-la-carte-Gästen zur Verfügung. Familie Wegscheider bietet hier eine ausgezeichnete Küche mit mehreren Menüs an. Nach der Begrüßung mit bestem Bärlauchaufstrich und Lachs starteten wir beim fünfgängigen Gourmetmenü „Sommerfrische“ mit zarten Kalbsbackerln, geschmackvoll begleitet von Kirschen, Calamari, Chorizo und Bries. Die geräucherte Rhabarber-Mais-Suppe wurde durch ein köstliches Rinder-Omelette aufgewertet. Die Focaccia-Lasagne vom weißen Waller schmeckte mit Tomaten, Orange und Kerbel sehr gut. Das Hauptgericht Filet und Bauch vom Bio-Schwein mit Frühkraut und Lauchknödel war gut zubereitet und wurde so wie alle anderen Gerichte sehr schön am Teller präsentiert. Als Abschluss wählten wir die delikate Crème brûlée mit im Glas servierten Kronenthymian, Stachelbeeren und Waldmeister. Der freundliche Service bietet edle Tropfen aus dem fein sortierten Weinkeller an.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Kommentare werden geladen...