Speisen wie in einem ungarischen Kloster vor 200 Jahren? Sicher nicht jedermanns Sache – so wie auch das Kárpátia. Wirklich gut ist lediglich die Lage: in einem ehemaligen Franziskanerkloster im 5. Bezirk. Die Fresken, Säulen und Holztäfelungen sind originalgetreu renoviert. Daher auch das generelle Rauchverbot. So prachtvoll das Lokal innen ist, so sehr wirkt es von außen wie eine Touristenfalle. Und teilweise wird auch so gekocht: typisch ungarisch, einfach und deftig. Über zu kleine Portionen kann man sich nicht beklagen, über die Preise schon eher: Hauptspeisen kosten zwischen 12 und 25 Euro und sind für das Gebotene durchwegs zu teuer. Das typisch ungarische Mangalitza-Filet war zwar wie üblich schön zartrosa gebraten, die Pilz-Paprika-Rahmsauce aber zu pappig und der Nockerlauflauf wie immer zu trocken. Auch die „Kostprobe der Ente“ wollte im Kárpátia nicht saftiger werden. Desserts wie Palatschinken, Mohntorte oder Weichselstrudel sind handwerklich ordentlich gemacht. Entspräche die Qualität der Küche dem prachtvollen Interieur, dem freundlichen Personal und der unaufdringlichen Zigeunermusik, gäbe es mehr als 12 Punkte.
Kárpátia Dr. Ákos Nitrai
Das Kárpátia gehört zu den wenigen noch verbliebenen, typisch ungarischen Restaurants in Budapest. Es wird seit 1877 als Teil des ehemaligen Franziskanerklosters im Zentrum der Stadt als Lokal genutzt. Das neogotische, protzige Interieur stammt aus der Jahrhundertwende. Das Speisenangebot orientiert sich an der historischen ungarischen Küche und versucht, die Gerichte in moderner Form auf den Tisch zu bringen. Bei der getesteten Ziegenragout-Suppe ging dieser Versuch allerdings gründlich daneben. Ebenso kam das panierte Lammschnitzel in altem Fett gebacken und mit einem langweiligen Erdäpfelsalat aus der Küche. Der Hortobágyi-Palacsinta und der Weichselstrudel erinnerten dagegen an schmackhafte ungarische Küchenzeiten. Der Service gab sich leger und damit dem Ambiente wenig angemessen. Die Weinauswahl ist bescheiden, es fehlen die Namen der Spitzenwinzer auf der Karte. Angefangen vom einfallslosen Amuse gueule bis zur traurigen Käseplatte verspricht das Kárpátia mehr, als es hält. Preise und Leistungen stehen dazu in keinem Verhältnis. Einzig die munter und passabel aufspielende Zigeunerkapelle lohnt möglicherweise den Besuch.
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