In einer der schönsten – weil ruhigen und abgeschiedenen – Ecken der Prager Kleinseite gelegen, macht das Café de Paris seinem Namen schon deshalb Ehre, weil es Atmosphäre bietet – ein unverfälschtes Gemisch aus Prag und Paris. Dabei wird nichts versprochen, was nicht auch gehalten wird. Die Holzkisten mit dem Wein aus Bordeaux, die Pastisflaschen, die Schiefertafeln, die Stimmen von Edith Piaf und Jacques Brel wie auch das fehlerfreie Französisch, mit dem die Gerichte beschrieben werden. Gerichte? Eigentlich handelt es sich hier immer nur um ein Gericht, und das ist das „Entrecôte Café de Paris”. So pariserisch das Lokal sein mag, es drängt sich der Vergleich mit einer Backhendlstation auf. Ähnlich wie in den Zeiten des Wirtschaftswunders drängt man sich hier eng zusammen, um in Bergen von Pommes frites zu schwelgen und sie in die unvergleichlich gute Sauce, die zum Fleisch gereicht wird, zu tunken. Das Rezept dafür stammt aus den 1930er-Jahren und ist ein wohl gehütetes Geheimnis, eine Abschrift davon soll es in London, eine in Genf und eine in Paris geben. Das Entrecôte kommt in mundgerechte Häppchen geschnitten auf einer Servierplatte auf den Tisch. Der Salat dazu ist ein kleiner Berg grüner Blätter ohne jegliches Dekor, aber man ahnt, dass die Vinaigrette mit echtem Dijon-Senf zubereitet wurde. Bei den Desserts gibt es drei Optionen – Crème brûlée, Gateau au chocolat und Sorbet au citron mit Rhabarber-Kompott – jede für sich sehr gelungen und hundertprozentig „echt“. Die Servicecrew ist sympathisch und engagiert, da macht es eigentlich gar nichts, dass die Weinflasche, aus der der offene Weiße stammt, nicht präsentiert oder dass der Brotkorb mit dem Vorspeisenteller gleich wieder abgeräumt wird ...
Café de Paris Pavel Cvlek, Lina Wagner
Tschechisch-französische Freundschaft. Das kleine, etwas düstere und fraglos urige Café de Paris auf der Prager Kleinseite hat sich seit seinem Bestehen kaum verändert und will es auch nicht – denn viel pariserischer, als es schon ist, geht ohnehin nicht. Liebevoll kümmert man sich hier um Requisiten und Details, die in dem Prager Gewölbe ein möglichst authentisches Brasserie-Bild vermitteln sollen, die Pastis-Gläser, die Silbertabletts, das rote Leder ... Das gelingt auch ganz gut, und dafür ist eine treue frankophile Stammkundschaft seit jeher sehr dankbar. Die Küche spult ihr Programm fern jeglicher Innovationen gekonnt und routiniert ab, die überbackene Zwiebelsuppe – einst Klassiker, heute kaum noch wo auf der Karte zu finden – war wirklich gut, die Entenbrust leider recht geschmacksarm. Das Steak mit der geheimnisumwitterten Sauce „Café de Paris“ zu nehmen, ist hier quasi unvermeidlich und wäre auch nicht klug, die Qualität ist fein, das Fleisch mit traumwandlerischer Sicherheit köstlich gebraten, die Präsentation adrett. Von der Sauce kann man übrigens noch nachbestellen, was zu empfehlen ist, wenn man zum Beispiel noch etwas Baguette übrig hat. Die Vanille-Crème-brûlée kann man sich dafür sparen. Die Weinkarte ist zwar eine Verneigung vor der französischen Winzerkunst, Zusammenstellung und vor allem Jahrgangs-Wahl wirken aber wie per Zufallsgenerator erstellt. Egal, bei den offenen gibt’s einen tschechischen, einen französischen, einen spanischen, und derlei Pragmatismus wäre ja auch schon wieder sehr authentisch.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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