Das Restaurant des Ende 2008 mitten im Stadtzentrum eröffneten Hotels verfügt über ein großes Atout: den weitläufigen, begrünten Innenhof mit plätscherndem Brunnen und Schatten spendenden Bäumen. Dazu passt die leichte mediterrane Küche mit Fisch und Fleisch vom Grill, Salaten, leichten Suppen und Pastagerichten. Der Rucola mit King Prawns hätte durchaus überzeugen können. Zu dem herben Aroma ergaben die süß-säuerlichen eingelegten Cocktailtomaten und der frisch gehobelte Parmesan einen angenehmen Kontrast. Doch leider war der Salat hart, fast holzig. Die Marinade fehlte fast gänzlich bzw. war angesichts der großen Menge an Grünzeug kaum mehr wahrnehmbar. Bei Hov?zí sví?ková, einer Empfehlung des jungen, kompetenten Kellners, handelte es sich um eine neu interpretierte Spezialität der tschechischen Küche: Rindssteak in fein passierter und mit Obers verfeinerter Wurzelwerksauce. (Dass der Kellner nicht danach fragte, ob man das Fleisch medium oder durchgebraten haben möchte, darf einen nicht wundern, das ist in Prag nicht üblich.) Die Semmelknödel dazu zeigten einen modischen Zuschnitt, die Preiselbeeren kamen als eingelegte Früchte, nicht als Marmelade auf den Tisch. Auch mit dem fruchtig-leichten Dessert – Erdbeer-Panna-cotta auf Windbäckerei – gelang der Küche die Neuinterpretation eines Klassikers. Nichts auszusetzen gab es auch an der Weinempfehlung – einem Rizling Laski (Rheinriesling) vom Weingut Mikrosvín in Mikulov (Südmähren), angenehm fruchtig nach grünem Apfel duftend und elegant im Abgang.
Le Grill
In Prag wirklich auf hohem Niveau zu essen, ist noch immer kein leichtes Unterfangen. Eine der wenigen Top-Adressen findet man im Le Grill im Kempinski. Hier stimmt fast alles. Nach einem Glas tschechischen Sekts begeisterte heuer zunächst ein Hummercarpaccio mit einem Tatar von rohen Jakobsmuscheln, das durch fein gehackten Schnittlauch und reichlich Keta-Kaviar ergänzt wurde. Die folgende Cremesuppe schmeckte intensiv nach Tomaten, und die um eine Spur zu resch angebratene Gänseleber wurde durch karamellisierte Kumquats ideal ergänzt. Das rosa gebratene Rinderfilet mit sautierten Artischockenherzen war zwar kein kreativer Höhepunkt, aber perfekt zubereitet. Beim Schokoladesavarin hätte sich die Küche etwas mehr Zeit lassen sollen, er war noch nicht ganz durch. Schade, denn das Dessert hätte dem Ganzen die Krone aufsetzen können.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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