Ein Landgasthaus in einem oberösterreichischen Vierkanter, auf halbem Weg zwischen Enns und Steyr – das weckt Assoziationen, die hier auf angenehmste Weise mehrheitlich nicht erfüllt werden. Keineswegs rustikal, sondern elegant ist etwa der Speisesaal mit seiner hell gestrichenen Vertäfelung, der hübschen Bar und den schönen, alten Möbeln, die ruhig ein bisschen knarren und knirschen dürfen. Der Service ist dafür jugendlich-dynamisch, erfrischend der Mostbirnensekt (ein paar Dinge dürfen ruhig so sein wie erwartet). So stattlich und solide wie das Anwesen sind die Portionen und die Qualität der Küche: Räucherforelle zur Vorspeise wurde mit Apfel und Roter Rübe kombiniert, sehr gut, auch ein Spargel-Rucola-Vogerlsalat mit Grana war zwar nicht eben spektakulär, schmeckte aber. Als sehr fein erwies sich das Kräuterlamm, etwas weniger durch hätte es aber ruhig sein dürfen, überwürzt der ansonsten tadellose, zarte Maibock. Nicht mithalten konnten die Desserts: Die Schokolademoussetorte sah schön aus, war aber langweilig, die Rhabarbersauce mit einer Kugel Vanilleeis und einem Batzen Schlagobers wirkte uninspiriert. Trotzdem: eine gute Adresse mit Potenzial.
Gasthof Rahofer Rudolf Rahofer
Rudolf Rahofer musste am Tag unseres Besuchs mit einer Vielzahl hungriger Gäste fertig werden. Und unter denen waren wiederum einige, die der Verlockung, des Österreichers liebste Speise – Wiener Schnitzel – zu bestellen, nicht widerstehen konnten. Keine schlechte Wahl, hier kann man aber auch ganz anders. An unserem Tisch fiel die Wahl auf einen Salat von schwarzen Linsen mit Ganslschinken und auf eine Kürbis-Ingwer-Schaumsuppe, bei der jedoch offensichtlich auf den Ingwer vergessen wurde. Das Saltimbocca vom Huhn mit Spinatrisotto war hingegen stimmig gewürzt. Gerade noch im Rahmen des Akzeptablen gesalzen verließ der zarte Rosmarinrostbraten mit Erdäpfelpüree die Küche, der rosa gebratene Hirsch mit Vogelbeersauce und Gnocchi überzeugte hingegen gänzlich. Der perfekte Wildgang war schlussendlich auch für die heurige Aufwertung verantwortlich. Die süßen Gelüste befriedigte ein für die Region typischer Mostschober. Die Weinauswahl könnte durchaus ein Facelifting vertragen.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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