Wenn zwei aus Malaysien stammende Vorarlberger nach Wien auswandern, haben sie Heimweh. Nach dem Ländle. Dort hat man es als Gastronom mit hoher Tischkultur, asiatischer Küche und einem der besten Weinkeller des Landes auch leichter. In Wien ist die Konkurrenz härter, gute Restaurants mit chinesisch-thailändischer Küche und hübscher moderner Einrichtung gibt es genug. Dabei schlägt sich die Küche des Chefs gut: Die Thunfisch-Gänge, einmal als Sashimi, einmal scharf abgebraten, sind tadellos. Von den gemischten Vorspeisen, die sonderbarerweise Tapas genannt werden, überzeugt der Hühner-Satay-Spieß. Bei den Hauptgerichten erweist sich die Peking-Ente, die klassisch mit kleinen Palatschinken und Lauch serviert wird, als Höhepunkt. Das leicht gegrillte Kaninchen-Stück war schön gewürzt, vielleicht eine Spur zu belanglos. Für die Nachspeisen gilt das Gleiche – Früchte mit Eis zu kombinieren, reicht nicht aus. Nicht wenige kommen vor allem wegen des unglaublichen Weinkellers. Zu Recht: Ob Bordeaux, Burgunder, Barolo oder Grüner Veltliner Smaragd, es fehlt fast kein großer Name und Jahrgang, die Preisgestaltung ist mehr als fair, oftmals werden die unglaublichsten Önologie-Wunder auch glasweise ausgeschenkt.
Jin’s Sinohouse Kong Jin Loh
Als Jin und Long Foh Anfang 2009 ihr großzügig bemessenes Restaurant bei der Votivkirche bezogen, ging ein Raunen durch die Branche: So eine Weinkarte bekommt man in Wien nicht alle Tage zu sehen. Was international und national als gut und teuer gelten darf, findet sich hier in beeindruckender Tiefe. Dazu lässt sich eine pikante, malaysisch inspirierte chinesische Küche verkosten, aus der man sich am besten zu Beginn und in Zwiesprache mit dem Chef ein passendes Menü zusammenstellen lässt. Dann sind hier große Gaumenfreuden zu erwarten. Dem Zufallsgast wird eine vergleichsweise lieblose Version geboten: Dünn aufgeschnittener Tafelspitz und Zunge hatten an einer konzentrierten, salzlastigen Sauce schwer zu tragen. Auch beim in Grüntee und Gewürzen geschmorten Calamaro durfte man froh sein, ein kühles Glas Bier an der Seite zu wissen – und nicht etwa einen Grands Échezeaux. Marinierter Tuna auf knackigem Gemüse war gut, die durchgegarten Jakobsmuscheln aber taugten bestenfalls als Trainingseineit für die Kaumuskulatur. Auch die Malay Tamarind Asam Prawns von der Lunch-Karte waren nicht von besonderer Qualität: geschmacklose Süßwasser-Zuchtgarnelen auf lieblos angerichtetem Salat.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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