Das 2005 eröffnete Lokal liegt ebenerdig im ehemaligen Stadtpalais des Grafen Erdödy, der vor 200 Jahren hier ein privates Opernensemble unterhielt. Der Saal erstrahlt ganz in Weiß, in der kalten Jahreszeit flackert im hinteren Teil des Restaurants ein Feuer hinter Glas. Seit Jaroslav Z?ídek die Leitung übernahm, arbeitete sich die Küche zu einem in der Stadt unübertroffen hohen Niveau empor. Der vom Kellner empfohlene Aperitif – Ingwerlimonade mit Rosé und Crushed Ice – war an diesem heißen Tag ein Volltreffer. Die lauwarm servierte Topinambur-Velouté mit ausgelösten Langusten verströmte einen angenehmen Duft, war tatsächlich von samtiger Konsistenz und durch ein zartes Band aus leuchtend grüner Erbsenessenz optisch überaus ansprechend präsentiert. Sehr subtil auch die nach dem Monte & Mare-Prinzip zusammengestellten Suppeneinlagen: knackige Ziegenkäse-Kroketten in Kombination mit Meeresfrüchten. Ebenso viel kompositorisches Geschick bewies Z?ídek beim pochierten Kabeljau-Steak, mit den Beilagen zu einem turmartigen Gebilde aufgeschichtet: Rösti (leider etwas zu stark gesalzen), klein geschnittener Lauch in einer eleganten Sauce hollandaise, dann der makellos weiße Fisch und als Topping hauchdünner, marinierter Fenchel. Sowohl optisch als auch in puncto Aromen-Kombination äußerst gelungen. Nach dem gleichen Prinzip funktionierte auch das Dessert: leicht zerfließendes Whiskyeis wurde mit flüssigem Joghurt aufgegossen und ergab gemeinsam mit den sich darin auflösenden Schokosplittern und Kokosraspeln eine delikate Abfolge von süß, säuerlich, bitter, milchig, kalt und eisig. Ambitionierte, sorgsam zusammengestellte Weinkarte mit vielen Raritäten aus den großen Weinbaugebieten der Welt.
Camouflage Jaroslav Zídek
Küchenchef Martin Kobelic ist verantwortlich dafür, dass das „Camouflage“ zu den besten kulinarischen Adressen der slowakischen Hauptstadt zählt. Verlässlichkeit, mit einer Spur Esprit, ist das Geheimnis, das begeistert: Die in Tempurateig gebackenen Austern wurden mit einer angenehm würzigen Koriandersauce serviert, der gebratene Oktopus hingegen mit einem leicht süßlichen Jus aus verschiedenen Früchten. Die großzügig dimensionierte kalte Gurkenschaumsuppe waren perfekt abgeschmeckt und die dazu servierten Garnelen erfreulich frisch. Anschließend standen ein glasig gebratener Kabeljau sowie eine mit Gänseleber gefüllte Wachtel am Speiseplan. Beide Gerichte zeigten die handwerklichen Fähigkeiten der Küchenmannschaft und begeisterten in allen Belangen. Eine erfrischende Joghurtsuppe mit weißem Schokoladeeis beendete ein vorzügliches Essen. Das Preisniveau entspricht dem Gebotenen, sofern man sich an den slowakischen Weinen erfreut und die völlig überteuerten österreichischen, italienischen und französischen Flaschen ignoriert.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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