Detailansicht 2012

2011
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Die runde, raumschiffartige Kapsel hoch oben auf den Stützpfeilern der Neuen Brücke birgt seit 2005 das Restaurant UFO und eine Ebene darüber eine Aussichtsplattform (Eintritt € 6,50). Weil das UFO rund ist, haben Besucher die Wahl, welche Seite der Stadt sie sich genauer ansehen wollen: das Bratislava der Plattenbauten, das der Patrizierhäuser oder das mit der Burg und dem vielen Grün. Der Empfang ist professionell, das Personal gut geschult, die Musik angenehm, die Speisekarte in fehlerfreiem Englisch und Deutsch. Beim Lesen drängt sich jedoch der Verdacht auf, man wolle den Gast mit der Aufzählung exotischer Produktnamen einschüchtern. Was der neue Küchenchef Peter Kiss hier 84,6 Meter über der Donau versucht, ist ein Crossover aus slowakischer (Piroggen-Trio), japanischer (Tataki, Tempura, Wasabi, Edaname), norddeutscher (gebratene Wangen nach Saalowscher Art), spanischer (Manchego), provenzalischer (Tapenade) und baskischer (Piperade) Küche. „Reistagliatelle, Sesampaste, Apfel-Gurken Wasabi” nennt er eine Vorspeise, bei der er scharf-intensiv mit mild-nussig kombiniert. Das Gericht ergab ein schönes Bild, fast scheint es aber, als fühle der neue Chef sich zu sehr als Künstler, um sich mit den elementaren Dingen zu befassen. Dass der Butterfisch wässrig war, ist bei Tiefkühlprodukten oft der Fall, dass die Kräuterkruste zum Lamm aber weder knusprig war noch nach Kräutern schmeckte, muss als Fehler gewertet werden. Das Gleiche gilt für sein Mascarpone-Risotto, das weniger klebrig hätte ausfallen können. Das Dessert – ein sehr gelungener Chili-Schokokuchen – brachte die Wende zum Positiven. Dazu lauwarme Bananenscheiben in karamellisierter Sauce und ein Rhabarbereis, das aber schon wieder zu viel des Guten war. Ließe das Zuviel an Originalität sich durch mehr handwerkliches Können ausgleichen, wäre schon viel gewonnen. Und ob die horrenden Weinpreise gerechtfertigt sind, bleibt dahingestellt.

2010
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2010.


Eines der gegensätzlichsten Designerlokale der Stadt dürfte das Ufo sein. Einerseits liegt es abseits der Boulevards der Stadt, thront aber weithin sichtbar über einer der wichtigsten Hauptverkehrsadern. Was für ein Zwiespalt: Hier trifft sich das schicke Bratislava in einem der äußerlich hässlichsten Überbleibsel der kommunistischen Ära. Der schlecht erreichbare Zugang zu einem der teuersten Lokale erinnert an einen heruntergekommenen Hinterhof eines Plattenbaus, aus dem man allerdings relativ rasch per Aufzug in den futuristischen Himmel der Neureichen mit dem phänomenalsten Blick auf die Altstadt von Bratislava katapultiert wird. Ähnlich kontrovers geht es dort weiter. Der talentierte Chefkoch Peter Kiss schien sich an diesem Abend die Latte mit seiner Molekularküche unerreichbar hoch gelegt zu haben – der Geschmack rechtfertigte nicht den Aufwand und den Preis seiner Kreationen. So bemüht und gut gekühlt die Weißweine auch waren, so schmählich versagte der Sommelier, er empfahl vor allem die teureren Weine aus dem Ausland und war bei den slowakischen nicht wirklich sattelfest. Das Amuse gueule überraschte positiv: weißer Tomatenschaum mit rotem Paprika und grüner Essenz. Auch die Tom kah gai, eine süßsaure Gemüsesuppe mit Kokos-Tofu-Schaum und Grapefruitstücken, schmeckte außergewöhnlich und gut. Der Kabeljau auf Belugalinsen und Erbsenbohnenpüree roch dafür etwas zu intensiv und schmeckte leider nach nichts. Das Dessert schloss genau so kontrovers wie der erste Eindruck dieses Lokals ab. Der Schokoladengang mit sechs verschiedenen Sorten von Schokolade, gekrönt mit 20-karätiger Goldfolie, sah zwar vielversprechend aus, erfüllte die Erwartungen aber nicht. Der Kaffee war dafür exzellent. Übrigens: Ohne Reservierung bezahlt man für den Aufzug zum Restaurant umgerechnet etwa 6,50 Euro.

zurück

UFO Julius Belan

Der Platz ist zweifellos spektakulär: 80 Meter über der Erde beziehungsweise über der Donau beziehungsweise über der Neuen Brücke, die von dem Pylon gehalten wird, auf dessen Spitze sich das Aussichts-Restaurant aus den 70ern befindet. 2005 von einer der dynamischen slowakischen Gastronomie-Gruppe runderneuert und mit neuem Lounge-Mobiliar ausgestattet, gilt es heute als Sensation und steht in jedem Reiseführer. Ohne Reservierung ist ein Eindringen somit ziemlich chancenlos. Die Küche unter Leitung von Peter Kiss präsentiert hier heroben eine dem Designermobiliar entsprechende chice Welt-Küche wie in London, New York oder Amsterdam, der einzige Einfluss, der quasi gar nicht festzustellen ist, ist der slowakische. Schade. Die Jakobsmuscheln mit Karotten-Koriander-Creme und Lachskaviar waren ein nicht nur optisch gelungener Streich, klar hätte man die Jakobsmuscheln etwas exakter garen können, aber immerhin die Aussicht ... Auch die Karfiolcremesuppe mit (leider recht sparsamer) Hummer-Einlage war eine feine Sache, noch besser wäre sie wohl gewesen, wenn man das etwas zwanghaft international wirkende Lemongrass-Öl weggelassen hätte. Durchaus im Stil des Bisherigen auch das Spanferkel in (etwas sehr lockerer) Pistazienkern-Kruste mit Erdäpfelgratin, den Blattspinat dazu hätte es nicht gebraucht. Das Angebot an offenen Weinen ist quasi inexistent (wenngleich der slowakische Grüne Veltliner gut war), besser, man versucht, mit Cocktails durchs Menü zu kommen, auf diesem Sektor ist das Ufo wirklich gut. Und immerhin: Heruntergekommen sind sie noch alle.

Kommentare

Kommentare werden geladen...



Newsletter abonnieren

Zur Anmeldung