Angesichts seines Status als Bezirkshauptstadt kann man Hollabrunn durchaus als kulinarische Wüste bezeichnen. Gottlob gibt es kleine Oasen. Eine davon ist Wagner’s Wirtshaus, in dem wir heuer zunächst unseren Durst mit einem besonders intensiv duftenden Gelben Muskateller aus dem Weinviertel löschten. Für die Besänftigung unseres Hungers sorgten zu Beginn hausgemachte Frühlingsrollen von der Ente sowie junge Blattsalate mit gebackenem Zanderfilet. Bei letzterem Gericht hätte etwas mehr vom ausgezeichneten Dressing mit Sicherheit nicht geschadet. Das bodenständige, zarte Rindsgulasch mit flaumigem Serviettenknödel sowie die geschmorte Kitzstelze, serviert mit einem tadellosen Bärlauchrisotto, zeigten, dass man hier weiß, wie man mit Fleisch umzugehen hat. Tichy-Eismarillenknödel kennen wir, wir entschieden uns lieber für die frisch zubereiteten Mohnnudeln, die – mit Dirndleis serviert – unser Herz im Sturm eroberten.
Wagner’s Wirtshaus
Dieses Wirtshaus der Wagner-Brüder hat sich in kurzer Zeit zu einem Fixstern der Weinviertler Gastroszene entwickelt. Im modernen Ambiente wählt man zwischen Wirtshausküche und Gourmetmenüs. Die Weinkarte bietet die gesamte Weinwelt des Weinviertels, Philipp Wagner empfiehlt zu den Kreationen seines Bruders den jeweils harmonierenden Begleiter auch glasweise. Christoph Wagner bietet auch immer wieder mehrgängige Überraschungsmenüs, die er je nach Lust, Laune und Zeit der Gäste gerne individuell zusammenstellt. Auch die Anzahl und Größe der Speisen wird ganz nach Wunsch zubereitet. Wir entschieden uns für ein vorzügliches Vitello tonnato, wie man es gerne hat, zart und gut. Fein in Geschmack und Konsistenz die weiße Tomatensuppe mit Basilikum. Als Spezialität des Küchenchefs gilt das nicht alltägliche, knusprig gebackene Gulasch mit Blattsalat. Als kleiner Snack zwischendurch kamen die krossen Frühlingsrollen von Flusskrebsen mit zweierlei Dips auf den Tisch. Weniger Zustimmung fanden die sehr rahmigen Steinpilzravioli in Specksauce. Sowohl der knackige Solospargel wie auch die frische, gebratene Lachsforelle mit Vinaigrette und schmackhaften Erdäpfeln – einfach, aber sehr gut. Auch die Patisserie überzeugte. Erfrischend und fein das Frozen Joghurt zur Marillentarte, herzerwärmend die Mohnnudeln mit Pielachtaler Dirndleis.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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