Detailansicht 2012

2011
12

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


In seinen Anfängen lud das vis-à-vis des Opernhauses platzierte Lokal zu kulinarischen Weltreisen ein. Le Monde, da schwang etwas Mondänes mit, Supermodels ließen sich ab und zu blicken. Angesichts der großen Konkurrenz und der steigenden Mieten in diesem Teil der Stadt reicht es heute aber nicht mehr aus, mit Celebrities zu spekulieren. Die eine Hälfte des Saales im Erdgeschoß wurde zur Lounge umgestaltet, in der – wie bei unserem Besuch – abends an einem Wochentag mitunter aber nur ein einziger Tisch besetzt ist. Der Oberkellner konnte kaum Englisch, auf den halbkugelförmigen Designer-Deckenleuchten lag Staub. Zum Gedeck wurde ein ofenwarmes Kornweckerl mit einem steinhart gefrorenen Butterrad serviert. Der Ziegenkäse lag auf getoastetem Weißbrot und kam auf einem quadratischen Teller, der, wie es jetzt Mode ist, schief vor den Gast hingestellt wurde, auf den Tisch. Der Salat dazu war nudelig geschnitten und erinnerte an abgepackte Produkte aus dem Supermarkt. Diagonal zum Toast verlief ein Streifen Balsamicoreduktion, ein paar Häufchen Auberginen-Apfel-Püree vervollständigten das Bild – sie waren das Beste an dem Gericht. Ebenso beliebig, fast lieblos, wirkte das Trüffelrisotto mit Fasanenbrust und Gemüseschaum. Das „Dark chocolat fondant with forrest fruit and coconut sorbet” schmeckte gut, doch da es das natürlich auch als Convenience-Produkt gibt, gebührt der Küche dafür kaum Lob.

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Le Monde

Vor zwölf Jahren, da war das noch anders. Da existierte auch in Bratislava großes Bedürfnis nach Internationalität, nach plakativem Luxus, nach Szene. Und das Le Monde – damals noch an anderer Adresse – des früheren Prager Casinos-Austria-Managers Nils Jebens war da genau das Richtige. Vor ein paar Jahren übersiedelte man an noch bessere Stelle, in ein Biedermeierhaus gegenüber dem Nationaltheater, die Szene-Attitüde schien der kulinarischen allerdings schön langsam den Rang abzulaufen. Mittlerweile wird hier eine Allerweltsküche mit prestigereichen Einsprengseln gekocht, die je nach Form der Küchencrew mal besser, mal unbedeutender ausfällt. Gratinierter Ziegenkäse mit Rote-Rüben-Chutney war zumindest optisch erfreulich, das Chutney allerdings deutlich zu süß, was die Rote-Rüben-Balsamico-Reduktion nicht gerade auszubügeln vermochte. Kalte Erbsen-Minz-Suppe, nett, schön grün, aber weder haptisch noch geschmacklich eine Sensation. Der gegrillte Thunfisch mit – leider gänzlich aromafreiem – Pak Choi, asiatischen Nudeln und einer – wieder viel zu süßen – Orangen-Ingwer-Sauce war guter Hotelküchen-Durchschnitt. Die Weinkarte entspricht dem kulinarischen Konzept: irgendwas aus aller Welt, ein roter Faden ist nur schwer zu erkennen. Das Preis-Niveau ist als international zu bezeichnen.

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