Detailansicht 2014

2013
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2013.


Klarer als Raetus Wetter kann man die Devotion gegenüber der italienischen Küche nicht ausdrücken. Im tiefsten Ottakring ein Restaurant zu führen, dessen Karte ausschließlich italienisch gehalten ist, zeugt von Kompromisslosigkeit. Noch dazu kommt man mit dem landläufigen Urlaubs-Italienisch angesichts von Wetters komplexer Zutatenliste niemals durch. In diesem Text erlauben wir uns, gleich mit der Übersetzung vorzupreschen. Zu herrlich mürben Tranchen von der Lammzunge gibt es Salat vom Winter-Radicchio. Auf einem cremigen Risotto mit Bitterorange liegen Scheiben von geräucherter Entenbrust. Orecchiette von außergewöhnlicher Teigqualität vermengt Wetter mit Thunfisch und Erdäpfelstückchen zu einem wunderbar rustikalen Ganzen. Ganz ungewöhnlich und gleichwohl überaus harmonisch gelingt die Kombination von Schweinskotelett mit Quitte und Erdapfel. Wobei diese auf der Karte vermeintlich schlicht klingenden Gerichte stets verblüffend komplex auf dem Teller daherkommen. Da ein paar Granatapfelkerne, dort ein eingelegtes Gemüse oder eine Kräuteressenz – Wetter hat da stets eine unerwartete Komponente in der Hinterhand. Nicht ganz dem Niveau der Küche entspricht die sehr knappe Weinkarte.

2012
13 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2012.


Ein weiteres gelungenes Beispiel der wundersamen Wiener Beislverwandlung. Am Yppenplatz, dem multikulturellen Herzen Ottakrings, sorgt ein modernes Lokal unter schweizerisch-österreichischer Führung mit kreativer italienischer Küche für Begeisterung bei kebab- und pizzamüden Einheimischen und Freude bei allen übrigen Gästen, die sonst kaum den Weg in den Sechzehnten genommen hätten. Vor allem jene Italianità-Liebhaber, die mitunter zu Recht eine gewisse Einfallslosigkeit der Speisen beklagen, werden hier glücklich. Formaggetta di pecora mit eingelegtem Rhabarber, Ricotta al forno mit Spargel und Erdbeeren, Kalbfleisch-Spieße mit Pilzen, Gemüse und einer Art Mispel-Chutney – rundum gelungene, hervorragend gewürzte, stimmige Kreationen. Der aufmerksame Service kredenzt dazu eine Vielzahl an primär österreichischen Weinen auch glasweise und lässt einen nicht ohne Dolci gehen. Wäre auch zu schade, auf Panna cotta mit Erdbeermark oder die intensive Mattonella di cioccolata mit köstlichen eingelegten Früchten im genau getroffenen Süß-sauer-Grad zu verzichten. Nicht zuletzt aufgrund der stets bescheiden ausfallenden Rechnung empfiehlt sich eine rechtzeitige Tischreservierung.

2011
12.5

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


In der Nachbarschaft des multikulturellen Brunnenmarktes stießen wir im reduktionistisch gestylten Ambiente des Wetter auf einen kleinen, aber munteren Ableger der ligurischen Küche, der schlichtweg Freude am Essen vermittelte, obgleich der Umfang der Karte minimal und zum Verständnis ein Dolmetscher erforderlich war. Schon der Kuttel-Oktopus-Salat zum Auftakt versprühte ein ganzes Feuerwerk mediterraner Aromen. Nicht weniger anregend waren das hauchzarte Rauchfleisch oder der marktfrische grüne Spargel. Bei den Secondi standen zwar nur zwei sehr deftige Gerichte zur Auswahl, nämlich eine derb-herzhafte Bistecca und eine ebenfalls robuste Kalbsbrust, aber beides mit so viel Schwung und Spaß zubereitet, dass für subtilere geschmackliche Reflexionen einfach kein Raum blieb. Auch der Umstand, dass der Dessertsektor nicht wesentlich über Panna cotta und Tiramisu hinausreichte, verlor unter den herrschenden atmosphärischen Bedingungen ebenso an Banalität wie uns der südländische Lärmpegel als natürlich erschien. Dass sich die Reserve 06 Vienna von Edlmoser harmonisch einfügte, schrieben wir ebenfalls dem Zauber des Genius Loci zu.

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Und wenn man einfach einmal alles bestellen würde? Die Karte von oben bis unten? Die jeweils zwei, drei Gerichte, die da unter den Rubriken Antipasti, Primi, Secondi und Dolce zur Auswahl stehen, müssten doch irgendwie zu schaffen sein. Die Qual der Wahl scheint auf jeden Fall verzwickter als das zu erwartende leichte Völlegefühl. Wir haben dann doch gewählt, und damit war die Qual für diesen Abend überstanden: Der grüne Spargel al forno war gut, wenn auch nicht unvergesslich, ausgezeichnet die Hühnerleberterrine mit Quitte und rosa Pfeffer. Und dann die Pasta: Cannelloni mit Löwenzahn, Sultaninen, Pinienkernen (endlich wieder einmal ohne Seifenaroma), Kümmel, Kapern, Sellerie, Speckwürfeln, Parmesan, Grammeln und noch allem Möglichen – ein tolles Gericht mit maximaler geschmacklicher Bandbreite, beeindruckend. Höhepunkt des Abends war dann ein mürber Ziegenrollbraten in Feigensauce mit einer feinen Creme aus Zitronen und weißer Bohne: wild, süß, kraftvoll, fantastisch. Im Vergleich fast zu brav war das dünn geschnittene Beiried mit Pilzen und Tomaten. Die Panna cotta zum Abschluss: wie aus dem Lehrbuch.

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