Karl Wlaschek junior arbeitet im Haupterwerb als Erbe und Immobilienunternehmer, im Nebenjob neuerdings aber auch als Wirt und bedient sich dabei entweder wirklich guter Berater oder verfügt über ein echtes Naturtalent: Sein Orlando di Castello ist das möglicherweise stimmigste, jedenfalls aber konsequenteste und zielgruppengerechteste neue Restaurant der Stadt. Die Konsequenz geht bis ins kleinste gestalterische Detail (Designvorlage: psychedelische Puppenstube), als Zielgruppe wurden zahlungskräftige Carrie-Bradshaw-Fans identifiziert, dementsprechend newyorkerisch fällt die Karte aus – leichte, urbane Klassik mit Pfiff, sprich: Club Sandwich, Kreativsushi, Pasta. Bisweilen wäre weniger Pfiff mehr, California Rolls zu panieren („Vulcano Rolls"), bleibt auch bei tadelloser Ausführung eine schlechte Idee. Die Zitronenspaghetti dagegen haben echte Klasse, die hervorragenden Kräuterravioli werden auf Wunsch mit Schnecken garniert, die eigentlichen Stars des Hauses stehen trotzdem in der Dessertvitrine: Kunstwerke der Patisserie mit tollen Namen (Black Beauty, Miss Pompidou) und echt weltstädtischem Geschmack.
Orlando di Castello Martin Pirker
Schade, dass um 19 Uhr schon Schluss ist. Noch schöner als das konsequent kitschige Interieur des Lokals wäre nämlich gerade am Abend der prächtige Schanigarten auf der Freyung. Ästhetik ist hier jedenfalls wichtig: Wohlklingend sind die Namen der Speisen, von „Spring Break“ bis „Arctic Char“, immerhin klingend die Namen der Lieferanten, von der Essigmanufaktur Gegenbauer bis zu Käsekünstler Pranz. Fein und nicht zu cremig war die Spargelcremesuppe mit Johannisbeerkernöl, sehr gut und frisch „California Dreamin’“, eine mit Garnelen, Rindfleisch, Wasabi und allerlei Gemüse gefüllte, von feinem Teig umhüllte Rolle. Weniger überzeugend dann das „Beef paillard“: ein ziemlich salziges dünnes Steak, das unter einem Berg Rucola („rocket arugula“) in einer Estragon-Vinaigrette schwimmt und irgendwie auch ertrinkt. Enttäuschend war der trockene ODC-Burger trotz guter Zutaten. Die Pommes frites: schön serviert, schön geschnitten, schön fett. Auf die Patisserie sollte man abends verzichten: Sie sieht zwar immer noch hinreißend aus, aber eine Makrone darf auch dann nicht zäh sein, wenn sie Pink Susy heißt und von Pierre Reboul kreiert wurde.
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