Im geschichtsträchtigen Gasthaus gegenüber dem dunklen Krottensee und Schloss Hüttenstein haben drei junge, ambitionierte Menschen die Geschicke übernommen. Alfons Schuhbecks Bildnis hängt unübersehbar im Eingangsbereich und weist auf den Werdegang von Restaurantchef Philipp Gandler und Küchenchef Roland Schlotter hin. Die schöne, holzgetäfelte Stube war voll besetzt, das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis hat sich herumgesprochen. Das Zweierlei vom Lachs – einmal lauwarm gebraten, einmal als Terrine – mit Gurkennudeln war ein erfreulicher Einstieg, die gute Grießnockerlsuppe und auch die feine Suppe vom Marchfelder Spargel standen dem in nichts nach. Hausgemachte Nudeln mit Vanille-Jakobsmuscheln und Garnelen mit Safran überraschten als äußerst delikater Hauptgang, das rosa Rindsfilet war etwas zu scharf angebraten, schmeckte aber ansonsten mit einer dichten Sauce, grünem Bohnengemüse und Erdäpfelgratin vorzüglich. Auch der liebevoll gestaltete süße Abschluss mit Crème brûlée, Marillenröster und Sorbet sowie die Variation mit Schoko- und Himbeermousse, Panna cotta und einem winzigen Schnittchen Apfelstrudel stellte uns voll zufrieden. Erfreulich auch die empfohlenen, glasweise ausgeschenkten Weine von offensichtlich sorgfältig ausgewählten kleineren Weingütern.
Batzenhäusl Anett Hamann, Philipp Gandler, Roland Schlotter
Ein ländliches Haus an einem See mit großartigem Blick auf den Schafsberg. Im Gastgarten, der von der Straße durch eine Glasfront abgeschirmt ist, dominiert das weiß-blaue Element. In den holzgetäfelten Räumen mit Hängelampen über den Tischen und gepflegter Schnaps- und Weininszenierung hält man dann die Karte in der Hand und schaut auf mehr als ein halbes Dutzend Salatmischungen – von Hühnerbrust bis Scampi oder Faschiertem. Tafelspitzbouillon mit Sherry gibt es auch, in ebenfalls mindestens sechs Varianten mit Grießnockerl, Leberknödel, Frittaten, Gemüse und so weiter. Die Suppe kam in einem Riesenteller daher, der locker einen halben Liter Flüssigkeit fasst. Diese Suppe ist auch vor allem eines – flüssig. Und vollkommen ohne Aroma oder Würze. Auch die Grießnockerln retteten da nichts, denn auch da hatte die Küche aufs Würzen vergessen. Also hofften wir auf den Rehbraten mit Rotkraut und Spätzle. Leider vergebens. Das Reh wirkte irgendwie geschmacklich ausgelutscht. Saft und Kraut waren zwar süßlich, aber auch nicht mehr. Keine Würze. Auch nicht bei den Spätzle. Doch: Pfeffer. Aber der wurde soeben am Tisch aus der Mühle drüber gerieben. Am Nebentisch ein Bayern-Experte übers Weißbier: „Recht in Ordnung, aber kein Hit.“ So würden wir dieses Essen auch beschreiben, das überhaupt an das Vorurteil über bayerische Landgasthöfe erinnert: Riesenportionen ohne Geschmack oder Raffinement. Was ist los mit der Küche, die uns letztes Jahr noch 14 Punkte wert war?
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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