Detailansicht 2012

2011
14 Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet

Bewertung aus
GAULT MILLAU Österreich 2011.


Wenn ein Spitzenkoch (immerhin drei Hauben) wie Andreas Wahrstätter neben seinem Sinn fürs Abschmecken auch einmal den Geschäftssinn entdeckt, haben da die Gäste auch etwas davon? Wahrstätter führt seit einem guten Jahr das wunderschön gewölbte, stattliche und mit altem Mobiliar samt Holzböden ausgestattete Wirtshaus an der Hauptstraße von Jochberg. Und die Gäste (Ex-Stammgäste aus der Giggling Stubn, Einheimische und dem redundanten Luxus offenbar überdrüssige Wahlkitzbüheler) rennen ihm das Haus ein. Das Geheimnis, wenn es denn eines ist: gutes Wirtshausessen, gekonnt ausgewählte Produkte, kein großer Aufwand – Foie gras gibt es nur auf Bestellung. Wir nehmen Spanferkelsulz, nicht zu deftig, mit einem frischen Salat, der diese Wirtshausküche schon einmal von anderen Wirtshausküchen unterscheidet. Die Bouillon ist gekonnt, die Kaspressknödel ideal, soweit man aus diesem klassischen Berggericht halt große Küche machen kann. Eine Kalbsleber, ein Hirschragout oder das Angus Beef (Steak mit Pfeffersauce und Artischocken um € 26,– fast geschenkt) sind von bemerkenswerter Qualität. Beilagen – Rotkraut und Spätzle – detto. Die Sauce zum Reh könnte etwas weniger süß und üppig sein, aber dann wären wir schon bei der Feinschmecker-Abteilung, die Wahrstätter hier partout nicht führen will. Wir würden uns freuen, wenn das Einheimische (statt der Seezunge) noch mehr Betonung erführe und die glasweise ausgeschenkten Weine der Klasse der Küche entsprächen. Wobei: Auf einem Podest und im Weinschrank stehen die Flaschen der Begierde, die darauf warten, beim ersten Knistern des Kamins getrunken zu werden.

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Schwarzer Adler

Die Kulisse ist wunderschön, genauso wie die altehrwürdige Gastwirtschaft von außen. Betritt man dann den „Schwarzen Adler“ in Jochberg, wird man erneut positiv überrascht, die Inneneinrichtung passt perfekt zur Kulisse, hier wurde ein Gasthaus mit viel Geschick und Geschmack von Grund auf restauriert. Um es gleich vorwegzunehmen: Der positive Eindruck bleibt auch beim Verlassen des „Schwarzen Adlers“ bestehen. Hier werkt das Team, rund um die ehemalige hoch dekorierte „Giggling Stube“, und die langjährige Küchenerfahrung von Andreas Wahrstätter macht sich bezahlt. Das Beef Tatar schmeckt anders, als man es gewöhnt ist, nicht eine Spur, sondern mehrere Spuren schärfer, ein weiches Wachtelei federt die Schärfe wieder ab und die Geschmacksnerven können unbeschädigt die Seezunge observieren. Diese ist perfekt auf den Punkt gebraten, nur was das geschmacksintensive Basilikumblatt auf ihr verloren hat, weiß man nicht genau. Dazu wird ein nahezu perfektes Risotto serviert, das nur deswegen nicht perfekt ist, weil man es mit Trüffelöl versetzt hat, was nur den wenigsten Speisen bekommt. Weiters knackiges Gemüse, das man kaum anderswo besser erhält. Ebenso überzeugend: Das Wallerfilet in Pommerysenfsauce mit Krenpüree, nur den Spargel könnte man sich außerhalb der Saison sparen. Als Nachspeise serviert das versierte und freundliche Personal rund um Chefin Elisabeth Wahrstätter einen geeisten Kaiserschmarren, der geschmacklich ein wenig langweilig daherkommt, den positiven Eindruck aber keinesfalls zerstören kann. Außerdem war da ja noch das hausgemachte Rahmeis mit Rotweinkirschen, das war ganz wunderbar.

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