Georg Essig kocht seit diesem Jahr an einer neuen Adresse. In seinem durchgestylten Lokal geht es locker-lässig zu, ohne dass jedoch gewisse Qualitätskriterien im Bereich des Service vernachlässigt würden. Auch die Küche zeigte bei unserem Besuch, dass man bemüht ist, in der Oberliga oberösterreichischer Restaurants mitzuhalten. Die Blattsalate mit gebratenen Scampi waren delikat, doch die dazu servierte Melone hätte man auch weglassen können. Die Variation vom Thunfisch – Tatar, Sashimi und ein in Sesam gebratenes Stück – überzeugte nicht zuletzt dank einer würzigen Currysauce – auch wenn man diesen edlen Fisch in Japans besten Restaurants wahrscheinlich nicht mehr serviert hätte. Der gebackene Kalbskopf mit Trüffelsauce und die abschließenden Mohnknödel schmeckten uns ebenfalls vorzüglich und waren schließlich für die vergebenen Punkte hauptverantwortlich.
Essig’s
Wenn Cornelia und Georg Essig mit ihrem neuen Restaurantprojekt tatsächlich „die Hauben fallen lassen“ wollten, dann ging es wohl daneben: Das Konzept ist zwar ungewöhnlich, das Niveau der Küche aber unverändert hoch. Zielgruppe des modernen Lokals mit frankophilen Details – Bistro-Tische, die Farbgebung vom Pariser Luxus-Traîteur Fauchon inspiriert – sind Menschen mit Tagesfreizeit: Gekocht wird durchgehend vom späten Vormittag bis zum frühen Abend, danach ist Schluss. Die Fischsuppe war sehr schön safrangelb, angenehm aromatisch, der angekündigte „heimische Fisch“ in bester internationaler Gesellschaft, fein. Geradezu betörend gut die scharf angebratene, innen aber cremig-schmelzende Entenleber (ungestopft) mit Kirschenragout und zwei optisch an Ildefonso erinnernden Blunzn-Lasagne-Würfeln. Sowohl beim Seesaibling auf Schafkäse-Erdäpfelpüree mit Sauerampfer als auch beim Beiried auf schön cremiger Polenta und Liebstöckel-Pesto zeigte die Küche Sinn für geschmacklich harmonische Kompositionen und eine sichere Hand bei der Garung. Der Fisch war würzig und auf dem Punkt, das „saignant“ (rare) bestellte Fleisch von saft- und kraftstrotzender Zartheit. Das Dessert steht dem Vorangegangenen nicht nach: Die Kombination aus Topfenschnitte, in ein knuspriges Röllchen gefüllter Schokomousse und Kirsch-Thymian-Sorbet – souverän.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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