Die Schwarze Katze war in den vergangenen Jahren so etwas wie ein Wander-Lokal: Es begann damit, dass der frühere Stomach-Koch Günther Szigeti das – etwas heruntergekommene – Vorstadtgasthaus Zur Schwarzen Katze in Hernals übernahm und sich dort preiswert und ambitioniert in die Herzen einer rasch größer werdenden Stammklientel kochte. Bald danach übersiedelte er in ein eher obskures Währinger Beisl in Gürtelnähe, kochte dort aber ebenso eindrucksvoll. Und seit Sommer 2010 macht er das erneut, und zwar im ehemaligen Faber am Bischof-Faber-Platz in Gersthof. Das Gasthaus wirkt – im Gegensatz zu Szigetis vorigen Wirkungsstätten – ein bisschen sehr runderneuert, aber immerhin änderte er auch seine Küchenlinie ein wenig – von interpretierter Wiener Klassik hin zu etwas mehr Italien und Südfrankreich. Wiesenkräutersalat mit Serrano-Schinken und Ziegenkäse oder ein delikater, nuancierter, in Zitrone und Chili marinierter Saibling mit frischem Mesclun-Salat und Eierschwammerln oder ein ebenso leichtes, delikates Kalbsbeuscherl mit exzellentem Serviettenknödel (die Eierschwammerln trugen bei diesem Gericht allerdings kaum etwas bei). Die Rindsbackerln waren so köstlich, saftig und mürb, wie sie es bei Szigeti immer waren, auch die geschmorte Kaninchenkeule mit weißer Polenta und Feigen wurde Szigetis Ruf als Spezialist für Schmorgerichte gerecht. Die Weinkarte ist mittelgroß, aber oho, die Kalkulation absolut erfreulich.
Feles Günther Szigeti
Die Balance zwischen „traditioneller Wirtshausküche mit Hang zur Verfeinerung“ und einer „persönlichen ambitionierten Linie“ strebt Günther Szigeti mit seinem dezent gestylten Lokal an. Dementsprechend finden sich beide Ansätze auf der Speisekarte. Bei den Vorspeisen ergibt das ein Unentschieden: Das klassische Beef Tatar überzeugt genauso wie das gewagtere Oktopus-Erdäpfelgulasch mit Chorizo, von dem man auch eine große Portion nicht von der Tischkante stoßen würde. Das gilt auch für die Süßkartoffel-Kokos-Suppe mit Räucherlachs, die nicht wie eine bemühte Thai-Kopie, sondern sehr eigenständig und fein schmeckt. Bei den Hauptspeisen kann das perfekt gegarte Lamm mit Kichererbsen-Sesam-Püree mehr überzeugen als die an sich tadellos geschmort und gebacken servierten Rindsbackerln, die von einem zu derben Erdäpfel-Schnittlauch-Püree unter ihrem Wert begleitet werden. Bei den Desserts muss sich der Klassiker gleichfalls mit Platz zwei begnügen. Die Kokos-Panna-cotta mit Erdbeer-Bergamotte-Salat begeistert mehr als die in Vanillesauce ertrunkene Topfenpalatschinke. „Ausflüge in mutigere Bereiche sollen sich aber in den Vordergrund spielen“, lässt der Küchenchef auf seiner Homepage wissen. Wenn’s nach uns geht: Ja, bitte.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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