Le Loft
Das Vorzeigelokal des neuen Sofitel am Donaukanal wurde mit ziemlichem PR-Aufwand und unter Aufbietung großer Namen gestartet: Jean Nouvel als Architekt, Videokünstlerin Pipilotti Rist als Schöpferin des spektakulären Deckengemäldes und als geistiger Vater des kulinarischen Konzepts Antoine Westermann, der 12 Jahre lang im legendären Straßburger „Buerehiesel“ drei Michelinsterne hielt und seit 2006 Lokale in aller Welt als Konsulent betreut. In den ersten Monaten klappte noch recht wenig, die Personal-Fluktuation war enorm, der Service mitunter inexistent, allerdings: So schlecht konnte man gar nicht empfangen werden, so skurril konnte die Weinberatung gar nicht sein, dass einem beim unvergleichlich schönen Ausblick vom 18. Stock nicht das Herz aufging, man schwebt hier gleichsam über den Dächern der Innenstadt. Vor dieser Prachtkulisse will man große Küche genießen und viel Geld loswerden – Gelegenheit für beides gibt es. Was auf den Teller kommt, ist kanonisierte Grande Cuisine mit all ihren bewährten Standards und Luxusprodukten von der Foie gras über die Barbarie-Ente bis zum Hummer. Zwar kochen Raphael Dworak und sein Team diese Gerichte auf hohem Niveau, mit Präzision und Detailgenauigkeit (und viel Butter) – Kreativität und Innovation bleiben jedoch penibel ausgespart. Mitunter muten die Speisen wie eine Zeitreise ins Elsass vor der Jahrtausendwende an: Zart gebratene Froschschenkel wurden in perfekt reduzierter Kerbelsauce zusammen mit „Schniederspaetle“ (mit Zwiebeln gefüllte Teigtaschen) serviert. Geschmorter Pfirsich begleitete die recht üppige Entenstopfleber und brachte fruchtige Süße in den Geflügeljus. Fein gewürzte Stücke vom bretonischen Hummer bildeten mit Tomatengelee eine erfrischende kalte Vorspeise. Der pochierte Kabeljau „Bouillabaisse Style“ erhielt durch eine dicke Schicht Aioli eine ziemlich rustikale Note, das Karree vom Milchferkel erlaubte sich einen Hauch Südlichkeit durch Kapern und Oliven. „Erdbeersphäre“ nannte sich ein verspieltes, ausgezeichnetes und überaus fruchtiges Dessert aus Erdbeeren in verschiedenen Aggregatzuständen, das Johannisbeergelee mit Verbenen-Mousse und Mandeleis wirkte im Vergleich dazu fast etwas bieder. Die Service-Krise schien bei unseren letzten Besuchen überwunden, sogar in höchste Professionalität gewandelt, in der Weinkarte findet man ausreichend Interessantes für einen schönen Abend.
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
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