Statt die Speisekarte zu präsentieren, versuchte der liebenswürdige Service, uns das Wesen des „Running Cooking" näherzubringen, das sich in der Praxis als mehr oder minder willkürliche Aneinanderreihung unterschiedlich gelungener Einfälle darstellte. Es begann verhalten mit geschmacklich indifferenter Entenbrust, gefolgt von schier unvermeidlichen Jakobsmuscheln, denen die bissfesten Belugalinsen als Beilage zumindest eine originelle Note verliehen. Ein harmonisches Ganzes bildeten die fein abgeschmeckten Bandnudeln mit Garnelen, denen sich ein passabler Kaninchenrücken auf feiner Polentacreme anschloss. Zurück ins Reich der Wasserbewohner führte eine pochierte Seesaiblingschnitte mit Kürbisgemüse, ehe wir unseren Parcours mit einer süßen Beliebigkeit beendeten. Dazu standen für unsere Begriffe zu wenig glasweise angebotene Weine zur Verfügung, wobei sich unsere Betreuerin mit entwaffnender Offenheit für außer Stande erklärte, eine Empfehlung abzugeben. Was uns andernorts befremdet hätte, passte indessen zum bohemehaften Charme dieses Minilokals, das offenbar in bürgerlichen Kreisen als Geheimtipp gehandelt wird.
1070 Dagmar Wulz
Eigentlich kann man sich das kleine, sympathische Neighbourhood-Lokal gar nirgendwo anders vorstellen als am romantischen Spittelberg im alternativen Siebten. Dagmar Wulz schupft mit Verve den Laden, der mit seinem „Running Cooking"-Konzept nicht nur bei der ansässigen Bourgoisie, sondern auch bei so manchem Touristen großen Anklang findet. Es gibt keine Speisekarte, dafür ein Überraschungsmenü, das mit bis zu 15 Gängen den Gästen kulinarische Freuden und der winzigen Küche Erleichterung bei der Zubereitung beschert. Melanzani mit Ziegenkäse-Joghurt, Sauerampferschaumsuppe mit Safranschöberl, Kabeljau auf Kichererbsenmousse mit Roten Rüben, geschmortes Kalbsbackerl mit Semmelkren, Jakobsmuscheln mit knusprigen Erdäpfelcroutons sowie Beiried mit Kohlgemüse – so kann hier die Menüfolge lauten und, ehrlich gesagt, an keinem der vielen (Mini-)Gänge gab es etwas zu beanstanden, ganz im Gegenteil, die Zusammenstellung, Würzung und Qualität des Gebotenen waren einwandfrei. Dazu mehr als zwei Dutzend glasweise erhältliche Weine (bis zur Scheibelhofer'schen Cuvée Big John und Gesellmanns Bela Rex), easy Jazz im Hintergrund und eine erträgliche Rechnung am Ende: ein unkompliziertes Essen, das einfach Spaß macht.
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
Sehr gute Küche, die mehr als das Alltägliche bietet
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